Demonstration der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc im Wallfahrtsort Tschenstochau (Polen). Die illegale Gewerkschaft Solidarnosc wird zu einer Massenbewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.
Quelle: AP Photo

Umweltbibliotheken

Ab September 1986 arbeitet die Umwelt-Bibliothek im Gemeindehaus der Ostberliner Zionskirche. Dort können sich Besucher nicht nur über Umweltprobleme, sondern über alle gesellschaftlichen Tabuthemen informieren. Neben systemkritischen Flugschriften publiziert die Oppositionsgruppe die Umweltblätter. Sie gehören zu den am weitesten verbreiteten Untergrundzeitschriften in der DDR. In einer Galerie stellen kritische Künstler ihre Werke aus. In den gleichen Räumen finden Seminare, Vorträge, Filmvorführungen und Konzerte statt. Die Umwelt-Bibliothek Berlin wird schließlich zu einer zentralen Informations- und Begegnungsstätte für Oppositionelle im ganzen Land.

Blick auf die Ostberliner Zionskirche. Der mutige Pfarrer Hans Simon stellt der Umwelt-Bibliothek Berlin den Keller des Pfarrhauses zur Verfügung. Die Gemeinde bietet den Oppositionellen Schutz.
Quelle: picture-alliance/dpa
Umweltblätter vom Juli 1989. Seit 1986 erscheint diese Untergrundzeitschrift fast monatlich, zunächst in einer Auflage von 150 Exemplaren; im September 1989 sind es dann viertausend. In jedem Heft werden Themen behandelt, die in den staatlichen Medien nicht oder nur ideologisch verzerrt vorkommen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Besucher im Keller der Zionsgemeinde können sich über oppositionelle Aktionen und Veranstaltungen in der gesamten DDR informieren. Die Bibliothek bietet Untergrundschriften aus dem ganzen Land sowie verbotene Belletristik und Fachliteratur.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Wolfgang Rüddenklau
Umwelt-Bibliothek Berlin, Mai 1988. Uta Ihlow beschreibt Matrizen für den Druck der systemkritischen Umweltblätter. Der Druck von Zeitschriften ist aufwendig. Selbst für kleine Auflagen müssen Matrizen mehrfach abgeschrieben werden. Jedes Heft wird per Hand sortiert und geheftet.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Wolfgang Rüddenklau
Die Mitglieder der Umwelt-Bibliothek treffen sich jeden Dienstag, um ihre Arbeit zu planen. Sie sind bis zum Mauerfall an vielen wichtigen oppositionellen Aktivitäten in Ost-Berlin beteiligt. Im Herbst 1989 arbeitet die Druckerei rund um die Uhr. In Zehntausenden Exemplaren werden die Erklärungen aller oppositionellen Bürgerbewegungen, Parteien und Initiativen verbreitet.
Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Ankündigung der Ausstellung „Die andere Seite einer Stadt“ des Schriftstellers Lutz Rathenow und des Fotografen Harald Hauswald in der Umwelt-Bibliothek 1987. Hauswald und Rathenow publizieren ihre Liebeserklärung an Ost-Berlin als Buch in der Bundesrepublik, weil eine Veröffentlichung in der DDR nicht möglich ist.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Ab Mitte der 1980er-Jahre werden auch in anderen Orten der DDR ähnliche Bibliotheken gegründet. Sie entwickeln sich für die oppositionellen Gruppen zu wichtigen Zentren der Aufklärung und Koordination. Als Räume der offenen Diskussion und gemeinsamen Arbeit sind sie Lernorte von Demokratie. Mitarbeiter der Staatssicherheit überwachen und verfolgen die Szene und versuchen, ihre Arbeit zu unterbinden sowie jede öffentliche Wirkung zu verhindern.

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