Demonstration der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc im Wallfahrtsort Tschenstochau (Polen). Die illegale Gewerkschaft Solidarnosc wird zu einer Massenbewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.
Quelle: AP Photo

Dieses Land ist es nicht - Jugendkulturen

In der DDR sollen die Jugendlichen den kommunistischen Staat begeistert aufbauen und nach innen und außen verteidigen. Die meisten haben jedoch andere Interessen und wollen ihr Leben eigenständig gestalten. Zunehmend entzieht sich die junge Generation der staatlichen Bevormundung.

Jugendliche in der DDR unterliegen einer umfassenden Ideologisierung, Disziplinierung und sozialen Kontrolle. Besonderen Wert legt die Staatspartei SED auf die vormilitärische Ausbildung. Für die SED-konforme Erziehung ist die staatliche Jugendorganisation FDJ zuständig. Ihr Anspruch, alleinige Vertreterin der Jugend zu sein, akzeptieren viele Jugendliche nicht mehr.

Es entwickeln sich verschiedene alternative Jugendkulturen. Sie orientieren sich in Musik und Kleidung an westlichen Strömungen und am freiheitlichen Lebensgefühl. Vom verordneten kommunistischen Lebensmodell wenden sie sich ab. Bluesfreaks, Tramper, Hippies oder Punks provozieren dabei gewollt oder ungewollt die Staatsmacht und müssen zum Teil erhebliche Repressionen in Kauf nehmen. Einige Jugendliche politisieren sich und arbeiten in Friedens- und Umweltgruppen mit.

Punks rebellieren gegen den grauen, eintönigen Alltag in der DDR. Ihr provokantes Aussehen und ihre anarchische Gesinnung machen sie in den Augen der DDR-Führung zu potenziellen Staatsfeinden. Sie werden kriminalisiert und geheimdienstlich überwacht.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Volker Döring
Kontrolle auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin 1980: Die Polizei überprüft alle Jugendlichen, die sie als unangepasst ansieht. Oft werden die jungen Leute ohne Begründung festgenommen und stundenlang befragt.
Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Jugendliche während der wehrsportlichen Ausbildung 1984. Zum Zweck der Disziplinierung und sozialen Kontrolle betreibt die Staatspartei SED die Militarisierung der Gesellschaft. Jugendliche müssen an Schulen, Universitäten oder während der Lehrzeit die vormilitärische Ausbildung absolvieren.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Volker Döhring
Pfingsttreffen der staatlichen Jugendorganisation FDJ (Freie Deutsche Jugend) 1984 in Ost-Berlin.
Quelle: ullstein bild/Schneider
Neonazis in Berlin-Lichtenberg im Mai 1984, dokumentiert von der Staatssicherheit. Anfang der 1980er-Jahre tauchen die ersten Skinheads in der jugendkulturellen Szene auf. Wenige Jahre später entstehen neonazistische Zusammenschlüsse mit Führungskadern und festen Strukturen, die sich von der jugendkulturellen Bewegung ablösen und DDR-weit vernetzt sind.
Quelle: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Der Student Roland Jahn wird 1977 von der Universität Jena exmatrikuliert, weil er die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann kritisiert hat. Jahn macht immer wieder mit spektakulären Aktionen auf Missstände in der DDR aufmerksam. 1982 wird er verhaftet, 1983 zwangsweise in den Westen ausgebürgert.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrand
Stars and Stripes in Ost-Berlin: Am 19. Juli 1988 kommen 160.000 Fans zum Konzert des US-amerikanischen Rockstars Bruce Springsteen auf der Rennbahn Berlin-Weißensee. Ende der 1980er-Jahre versucht die Jugendorganisation FDJ, mit solchen Konzerten das Bedürfnis der Jugendlichen nach westlicher Musik zu befriedigen.
Quelle: Gerhard Gäbler/Leipzig
Kritik an den Verhältnissen: Songtext der Leipziger Punkband Wutanfall von 1981.
Quelle: archiv:toomuchfuture
Polizeiliche Vorladung vom 9. April 1984. Jugendliche, die sich nicht anpassen wollen, bestellt die Polizei unter einem Vorwand ein, die übliche Formel lautet: „wegen der Klärung eines Sachverhaltes“. Erscheint der Vorgeladene nicht, muss er mit staatlichen Zwangsmaßnahmen rechnen. Ziel ist es, Angst und Unsicherheit zu verbreiten.
Quelle: archiv:toomuchfuture
Unangepassten Jugendlichen und politischen Gegnern wird in vielen Fällen der Personalausweis entzogen. Sie erhalten einen vorläufigen Ersatzausweis, den PM-12, der ihre Bewegungsfreiheit innerhalb der DDR stark einschränkt. Reisen ins östliche Ausland sind damit nicht möglich.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Auszug aus dem Strafgesetzbuch der DDR. Systemkritisch eingestellte Gruppen stehen in der DDR stets unter dem Verdacht staatsfeindlicher Tätigkeit. Damit drohen ihnen hohe Geldbußen und mehrjährige Haftstrafen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

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Roland Jahn - Jugendkulturen

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