Demonstration der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc im Wallfahrtsort Tschenstochau (Polen). Die illegale Gewerkschaft Solidarnosc wird zu einer Massenbewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.
Quelle: AP Photo

Subkultur

Die SED betrachtet Künstler als Diener des politischen Systems. Einzelne versuchen, sich diesem Anspruch zu entziehen. Sie wollen ihre Werke frei von staatlicher Bevormundung erschaffen. Um Auftrittsverboten und staatlicher Zensur zu entgehen, weichen sie auf private und kirchliche Räume aus.

Konzert der Band Tacheles im Jahr 1987 in der Ostberliner Zionskirche. Wenige Monate vorher hatte ein Staatsfunktionär für den Bandgründer André Greiner-Pol (l. o.) ein Auftrittsverbot auf Lebenszeit ausgesprochen und seine Band Freygang zum wiederholten Mal verboten.
Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Ost-Berlin, Hinterhof in der Schönhauser Allee: Show der nonkonformen Modemacher von ccd und Allerleirauh. In den 1980er-Jahren entwickelt sich in der DDR eine alternative Kulturszene. Die Veranstaltungen in Hinterhöfen, Kellern und Privaträumen finden ohne Genehmigung der staatlichen Kulturbehörden statt.
Quelle: Sybille Bergemann/OSTKREUZ
Ausstellungsplakat der Galerie Eigen + Art, Leipzig 1989. Ab 1985 gelingt es dem Leipziger Gerd Harry Lybke mit Tricks, eine inoffizielle Galerie zu betreiben.
Quelle: Galerie EIGEN + ART/Leipzig
Die Musiker Christian Kunert (l.) und Gerulf Pannach (2. v. l.) sowie der Schriftsteller Jürgen Fuchs (r.) werden am 27. August 1977 nach ihrer Entlassung aus der Stasi-Haft von Wolf Biermann (2. v. r.) in West-Berlin begrüßt. Mit Zersetzungsmaßnahmen, Auftrittsverboten, Androhung von Haftstrafen und Ausbürgerung treibt die SED bekannte kritische Künstler außer Landes.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Johanna Guschlbauer
Die Liedermacherin Bettina Wegner während eines Konzerts 1980. Sie lehnt staatliche Eingriffe in ihre Liedtexte ab. Daraufhin erhält sie Auftrittsverbot in der DDR und kann lediglich in Kirchen auftreten. Wegner wird unter Druck gesetzt, das Land zu verlassen. 1983 siedelt sie nach West-Berlin über.
Quelle: ullstein bild/Heinrichs
In ihrer Wohnung in Magdeburg eröffnen Ingrid und Dietrich Bahß 1981 eine private Galerie. Sie wird zum Ort für offene Gespräche und Diskussionen. Eröffnung der Foto-Ausstellung von Gundula Schulze mit dem Puppentheater Zinnober.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dietrich Bahß
Plakat der Malerin Cornelia Schleime zu ihrer Ausstellung 1982.
Quelle: Cornelia Schleime, 1982
Evangelische Studentengemeinde in Ost-Berlin 1982. Werner Theuer (l.) und Jutta Werdowski (r.), beide Angehörige der oppositionellen Szene in Ost-Berlin, spielen das systemkritische Stück „Die Schlinge“. Es wird in kirchlichen Räumen oder privaten Wohnungen aufgeführt.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Der Fotograf Harald Hauswald am 22. April 1987 in Ost-Berlin. Hauswald begleitet als Chronist die oppositionelle Bewegung in der DDR. Seine Bilder zeigen die Wirklichkeit hinter der pompösen Fassade der staatlichen Propaganda in der DDR.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernhard Freutel
In den 1980er-Jahren entsteht im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg eine alternative Kunstszene. Viele ihrer Protagonisten verstehen sich als unpolitische Künstler, wie auch die Schriftsteller Jan Faktor, Bert Papenfuß und Stefan Döring (v.l.n.r). Faktor engagiert sich dann aber im Herbst 1989 in der Bürgerbewegung Neues Forum.
Quelle: Privatarchiv Jan Faktor
U-Bahnhof Alexanderplatz in Ost-Berlin 1989: Puppenspieler und Schauspieler gründen 1979 das Theater Zinnober. Es ist das erste und lange Zeit einzige freie Theater in der DDR. Es verwirklicht eigene künstlerische Ideen jenseits des offiziellen Theaterbetriebs.
Quelle: Jochen Wermann
Politische Kunstaktion: Das Plakat von Henning Wagenbreth klebt im Sommer 1989 an Hauswänden im Prenzlauer Berg. Im Selbstverlag werden fünfzig Siebdrucke in der Streupresse in Berlin-Weißensee hergestellt.
Quelle: Henning Wagenbreth
Samisdat-Zeitschrift Glasnot, 1989. Der Titel bezieht sich auf das russische Wort Glasnost (Offenheit). In illegalen Zeitschriften des Samisdat (Selbstverlag) werden in kleinen Auflagen künstlerische Inhalte auf nichtoffiziellen Wegen verbreitet. Damit werden staatliche Verbote und Zensurmaßnahmen umgangen.
Quelle: Privatarchiv Christian Sachse
Lesung mit den Schriftstellern Lutz Rathenow (am Tisch r.) und Uwe Kolbe (am Tisch 2. v. l.) im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg im Jahr 1982. Bücher von kritischen Schriftstellern dürfen in der DDR nicht erscheinen. Durch Handabschriften und Lesungen in privaten Räumen finden ihre Werke dennoch ihr Publikum.
Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ

Kunst ist in der DDR an die politische Ideologie der Staatspartei SED gebunden. Alle Bereiche der Kunst werden staatlich gesteuert und geprüft. Einen freien Kunstmarkt gibt es nicht.

Ab Ende der 1970er-Jahre entwickelt sich in der DDR eine alternative Kunstszene. Ihre Protagonisten verstehen sich meist nicht als politische Oppositionelle. Doch ihr Streben nach eigenständigen Ausdrucksformen ruft das Misstrauen der DDR-Führung hervor. Die Staatssicherheit unterwandert die Szene, um deren öffentliche Wirkung zu beschränken.

Dennoch finden kritische Künstler in Kirchen, Hinterhöfen und privaten Räumen ein wachsendes Publikum. Einige wenden sich offen gegen die Diktatur und arbeiten in oppositionellen Gruppen mit. Sie erhalten Berufsverbot, werden verhaftet oder ausgewiesen. Immer mehr versuchen, die DDR zu verlassen, um frei schaffen zu können.

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