Demonstration der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc im Wallfahrtsort Tschenstochau (Polen). Die illegale Gewerkschaft Solidarnosc wird zu einer Massenbewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.
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Der Protest geht weiter

Im Jahr 1988 verschärfen sich die Konflikte im Land. Die Zahl derjenigen, die Ausreiseanträge stellen, wächst. Sie wollen die DDR verlassen, weil sie hier keine Perspektive für sich sehen. Immer mehr Menschen versuchen, mit öffentlichem Protest ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zu erzwingen.

Die Oppositionellen hingegen wollen die DDR reformieren. Sie mahnen die Einhaltung der Menschenrechte an und fordern politische Freiheitsrechte wie Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Die Verwirklichung der Menschen- und Bürgerrechte betrachten sie als unverzichtbar. Nur dann können die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen erreicht werden.

Kundgebung vor der Dresdner Kreuzkirche am 13. Februar 1988 anlässlich des Jahrestages der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Ausreisewillige und oppositionelle Gruppen finden ein gemeinsames Thema: die Menschenrechte.
Quelle: picture-alliance/epd/Bernd Bohm
Forum der Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Dresden, Februar 1988. Unter der Überschrift „Gerechtigkeit in der DDR“ fordern die Menschen gesellschaftliche Veränderungen. Sie reichen vom Abriss der Mauer bis zur Abschaffung der militärischen Ausbildung der Jugend.
Quelle: epd-bild/Bernd Bohm
Ausreisewillige demonstrieren im Juni 1988 während des Kirchentages in Görlitz (Sachsen). Trotz der Verhaftungen in Ost-Berlin Anfang des Jahres gehen die Proteste weiter. Vermehrt melden sich Menschen, die die DDR verlassen wollen, öffentlich zu Wort.
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Die 1988 kritischer werdende Berichterstattung in den Kirchenzeitungen veranlasst staatliche Stellen, immer wieder ganze Artikel zu verbieten. Am 10. Oktober 1988 protestieren Bürgerrechtler in Ost-Berlin gegen die staatliche Zensur. Sicherheitskräfte schreiten ein und nehmen viele der Demonstranten fest.
Quelle: Bernd Weu

Auf Kirchentagen und den Foren der Ökumenischen Versammlung treffen sich Tausende Menschen, die in der Diktatur unzufrieden sind. Dort begegnen sie Gleichgesinnten. Sie können ihre Kritik äußern und ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Kirchenzeitungen wollen darüber berichten und werden daraufhin zensiert. In der Folge demonstrieren Oppositionelle im Herbst 1988 gegen die Zensur. Auch die Militarisierung der Gesellschaft und das staatliche Bildungssystem in der DDR stehen in der Kritik.

Aufruf in Jena zum Protest gegen das staatliche Bildungssystem der DDR. Anlass sind Schulverweise von Schülern der Carl-von-Ossietzky-Schule (Berlin-Pankow) im September 1988. Die Jugendlichen haben sich kritisch zur Militarisierung der Gesellschaft geäußert und wurden für diese Meinungsäußerung bestraft.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Mathias Guppke
Aufruf in Jena zum Protest gegen das staatliche Bildungssystem der DDR. Anlass sind Schulverweise von Schülern der Carl-von-Ossietzky-Oberschule (Berlin-Pankow) im September 1988. Die Jugendlichen haben sich kritisch zur Militarisierung der Gesellschaft geäußert und werden für diese Meinungsäußerung bestraft.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Sowjetische Zeitschrift Sputnik, die im November 1988 in der DDR verboten wird. In der Sowjetunion berichtet die Presse im Zuge der innenpolitischen Reformen unter Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow über politische Tabuthemen. Die DDR-Führung will die Verbreitung solcher Informationen im eigenen Land verhindern.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Protestbrief vom 24. November 1988. Das Verbot der sowjetischen Zeitschrift Sputnik durch die DDR-Führung ruft in der Bevölkerung breiten Protest hervor. Die Kritik kommt von staatsnahen Organisationen ebenso wie von Oppositionsgruppen und einzelnen Unzufriedenen.
Quelle: Privatarchiv Christian Sachse

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Michael Heinisch - Staatliche Zensur

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