Demonstration der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc im Wallfahrtsort Tschenstochau (Polen). Die illegale Gewerkschaft Solidarnosc wird zu einer Massenbewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.
Quelle: AP Photo

Schlacht um Zion

In der Nacht zum 25. November 1987 dringt die Staatssicherheit in Begleitung eines Staatsanwaltes in Räume der Ostberliner Zionsgemeinde ein. Sie wollen Mitarbeiter der hier ansässigen Umwelt-Bibliothek beim Druck der illegalen Zeitschrift grenzfall überraschen. Hergestellt werden aber gerade die halblegalen Umweltblätter, die der Staat als kirchliches Mitteilungsblatt dulden muss. Den Oppositionellen kann keine Straftat nachgewiesen werden. Dennoch beschlagnahmt die Geheimpolizei die Maschinen und verhaftet alle Anwesenden.

Doch die DDR-Führung hat die oppositionellen Netzwerke unterschätzt. Bereits am nächsten Morgen veröffentlichen diese ein gemeinsames Protestschreiben. Über die westdeutschen Medien erreicht es die internationale Öffentlichkeit. Westliche Politiker fordern die Freilassung der Inhaftierten. In der ganzen DDR finden öffentliche Fürbittandachten und Solidaritätsaktionen für die Inhaftierten statt. In der Ostberliner Zionskirche wird eine Mahnwache eingerichtet. Angesichts des breiten öffentlichen Protests werden die Inhaftierten freigelassen. Es ist die erste große Niederlage der SED gegen die Opposition vor dem Ende der DDR.

Mitglieder der Umwelt-Bibliothek, fotografiert von Mitarbeitern der Staatssicherheit in der Nacht ihrer Verhaftung vom 24. auf den 25. November 1987 während der Durchsuchung der Räume. Bodo Wolff, Till Böttcher, Bert Schlegel, Wolfgang Rüddenklau, Tim Eisenlohr (v.l.n.r.).
Quelle: Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Am Morgen des 27. November 1987 bringen Teilnehmer der Mahnwache am Kirchturm der Zionskirche ein weithin sichtbares Transparent an. Sie fordern die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Umwelt-Bibliothek. Polizei und Staatssicherheit rufen die Feuerwehr, die das Transparent entfernt.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke
Mitarbeiter der Staatssicherheit filmen im November 1987 offen Besucher der Mahnwache. Mit der filmischen Dokumentation und personeller Präsenz wollen sie die Unterstützer einschüchtern. Trotzdem steigt sowohl die Zahl der Teilnehmer als auch die der Besucher an.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke
Westberliner Freunde der DDR-Oppositionellen mobilisieren die Presse. Alle westdeutschen Medien berichten über die Verhaftungen. Zum Ärger der sehr um ihr internationales Ansehen bemühten DDR-Führung fordern Politiker aus der ganzen Welt die Freilassung der Inhaftierten. B.Z. vom 26. November 1987.
Quelle: BZ, 26.11.1987
Massive Proteste aus der ganzen Welt überraschen die DDR-Führung. Nach und nach lässt sie die Inhaftierten frei. Die Mitglieder der Ostberliner Umwelt-Bibliothek Andreas Kalk (l.) und Till Böttcher (r.) werden bereits einen Tag nach ihrer Verhaftung entlassen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke
Wolfgang Rüddenklau, Mitglied der Umwelt-Bibliothek, kurz nach seiner Freilassung am 28. November 1987. Er ist als Letzter aus der Staatssicherheitshaft entlassen worden.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Ann-Christine Jansson
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