Fotos und Dokumente aus dem Archiv der DDR-Opposition

Tags: Archiv der DDR-Opposition, Hinter den Kulissen, Fotos, Dokumente

Über 700 Fotos und Dokumente werden ab Sommer in der Ausstellung „Revolution und Mauerfall“ zu sehen sein. Viele davon stammen aus dem Archiv der DDR-Opposition. Das Archiv, das von der Robert-Havemann-Gesellschaft betrieben wird, sammelt seit 1990 Zeugnisse von Personen, die auf ganz unterschiedliche Weise im Widerspruch zur SED-Diktatur gelebt haben.

Die Umweltblätter erschienen von 1986 bis 1989 in Berlin. Sie zählen zu den bekanntesten und profiliertesten Samisdat-Zeitschriften in der DDR.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Opposition und Widerstand in der DDR

Widerstand gegen die herrschende Partei SED gab es seit ihrer Gründung. Kritik und Protest wurden in der DDR unterdrückt und von der offiziellen Berichterstattung verschwiegen. Die Verbreitung von anderen als den zugelassenen Informationen und Ansichten stand unter Strafe.

Diejenigen, die in Opposition zur SED standen, haben längst nicht solche Aktenberge hinterlassen wie die Behörden, von denen sie bekämpft wurden. Aber ihre Manuskripte, Briefe, Flugblätter und Zeitungen sind ein wichtiges Korrektiv zur staatlichen Überlieferung. Ihr Blick auf die DDR war naturgemäß ein völlig anderer.

Korrektiv zur staatlichen Überlieferung

Das Schriftgut des Archivs umfasst heute 600 laufende Meter. Neben Nachlässen bekannter Oppositioneller wie Robert Havemann und Bärbel Bohley sind auch Zeugnisse des alltäglichen Widerstands von vielen unbekannt gebliebenen Menschen vorhanden – Puzzleteile, die zur vollständigen Beschreibung des DDR-Alltags notwendig sind.

2015 wurden, finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, 90 laufende Meter entsäuert und digitalisiert.

Zum Bestand gehören zum Beispiel Dokumente von Friedens-, Frauen-, Menschenrechts- und Umweltgruppen aus der gesamten DDR. Umfangreich ist auch die Sammlung von Unterlagen der im Herbst 1989 gegründeten Bürgerbewegungen und Parteien. Ergänzt werden sie von damals zahlreich kursierende Aufrufen und Protestresolutionen, Tagebüchern, Briefen und Unterschriftensammlungen.

Manche Ost-Berliner fanden vor den Scheinwahlen am 7. Mai 1989 solche und ähnliche Flugblätter in ihren Briefkästen. Nach offiziellen Angaben stimmten bis dahin in der Regel etwa 99 Prozent der ostdeutschen Wähler für die staatlich gewünschten Kandidaten.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Mit konspirativ angefertigten Flugblättern und Zeitungen versuchte die Opposition, ihre Anliegen bekannt zu machen. Im Archiv der DDR-Opposition befindet sich die größte Sammlung von Samisdat aus der DDR, den illegal im Selbstverlag herausgegebenen und verbreiteten Zeitungen und Einzelpublikationen.

Die Fotosammlung des Archivs ist inzwischen auf über 160.000 Bilder angewachsen, ein Großteil wurde bereits digitalisiert. Hinzu kommen Plakate, Filme, Transparente und Gegenstände wie handbetriebene Vervielfältigungsgeräte, Kleindruckstempel oder Siebdruckrahmen.

Lebendiges Bild von der Friedlichen Revolution

Zahlreiche Bücher, Zeitungsartikel, Ausstellungen, Filme, Bildbände und Forschungsarbeiten sind weltweit auf Grundlage der Materialien aus dem Archiv der DDR-Opposition entstanden. Auch für die kommenden Ausstellungen bilden sie einen wichtigen Fundus, denn „Revolution und Mauerfall“ erzählt die Ereignisse der Revolution bewusst aus der Sicht der Akteure des gesellschaftlichen Umbruchs.

 

Tina Krone ist Leiterin des Archivs der DDR-Opposition in der Robert-Havemann-Gesellschaft

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