Geschichte als Entdeckungsreise – neue Audiotour für Kinder und Jugendliche

Tags: Audioguide für Kinder, Wolf-Sören Treusch

Ausstellungen über historische Themen stellen Kinder und Jugendliche meist auf eine harte Geduldsprobe - zu faktenreich, zu trocken, zu langweilig, trotz vieler Fotos und Filme. Die Robert-Havemann-Gesellschaft startet deshalb mit einem neuen Vermittlungsangebot in den Herbst: einem Audioguide für Kinder ab 10 Jahre. Der Journalist und Autor Wolf-Sören Treusch erklärt im Gespräch mit Anja Karrasch, worauf es bei der Konzeption einer solchen Audiotour ankommt. 

Den Audioguide für Erwachsene gibt es in deutscher und englischer Sprache an der Information, gerade frisch produziert ist die Tour für Kinder und Jugendliche.
Quelle: Oana Popa

Herr Treusch, wie erzählt man Geschichte für Kinder und Jugendliche spannend?

Uns war schnell klar, dass ein reines Wechselspiel zwischen Text und Originaltönen wie bei der Erwachsenenführung für Kinder und Jugendliche zu langweilig sein würde. Für junge Besucher ist Interaktivität entscheidend: Sie müssen etwas anfassen und ausprobieren können, werden dadurch animiert, auf Entdeckungsreise zu gehen. In der Ausstellung gibt es zwar neun Medienstationen, die erzählen aber keine zusammenhängende Geschichte. Wir mussten uns also noch etwas anderes ausdenken.

 

Und dann sind Sie auf die Idee gekommen, durch die Ausstellung mit drei Protagonisten aus drei Generationen zu führen?

Die Idee zu dieser Erzählform hat sich im Brainstorming entwickelt. Sie greift eine klassische Erzählsituation auf: Da ist der Vater, Steven, der die Wendezeit 1988/89 als Zehnjähriger miterlebt hat. Er erinnert sich, dass seine Eltern damals mitdemonstrierten, weil sie unzufrieden waren mit den Zuständen in der DDR. Bei einer dieser Demonstrationen haben sie ihn sogar mitgenommen. Seine Erinnerungen will er seiner 12-jährigen Tochter Luisa vermitteln, deshalb geht er mit ihr in die Ausstellung. Am Anfang ist Luisa etwas mürrisch, aber sie fängt ziemlich schnell Feuer für die Ereignisse, die ihr Vater anhand der Bilder in der Ausstellung erzählt. Dazu kommt eine dritte Person, die Archivarin Anne, die jetzt Mitte 50 ist und auf packende Art von ihren Erlebnissen als junge Aktivistin in der Berliner Umwelt-Bibliothek berichtet. Die Namen sind frei erfunden, aber was die Personen erzählen, entspricht der Realität. 

Der Audioguide ergänzt die Ausstellungsinhalte mit zusätzlichen Informationen und Originalaufnahmen aus der Zeit der Friedlichen Revolution.
Quelle: Oana Popa

Was ist noch anders im Vergleich zur Erwachsenenführung?

Um die Kinder und Jugendlichen nicht mit Originaltönen zu überfluten, haben wir nur die berühmtesten verwendet. Zum Beispiel einen Ausschnitt aus der Rede des damaligen  Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft. Das haben wir so gelöst, dass Anne, die Archivarin, im Laufe der Führung ein Tablet herausholt und diese O-Töne einspielt. Wo es sich ergibt, stellen wir einen Bezug zu heute her. Auf einem der Fotos ist zum Beispiel ein Punk in der DDR zu sehen. Dazu stellt Luisa fest: „Wow, die gab es damals auch schon? Wie bei uns in der Fußgängerzone“. Damit wird Geschichte greifbarer. Die Erwachsenenführung und die Kinderführung besuchen beide dieselben Stationen, sodass sich Eltern die Ausstellung gut gemeinsam mit ihren Kindern ansehen können.

 

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei der Vermittlung von DDR-Geschichte für Kinder und Jugendliche?

Sie für die Inhalte zu begeistern. Anlässlich des 55. Jahrestags des Mauerbaus am 13. August hat der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, kürzlich wieder darauf hingewiesen, dass die junge Generation viel zu wenig über das Leben im geteilten Deutschland wisse. Deshalb müsste häufig geschichtliches Grundlagenwissen vermittelt werden. Nicht anders ist es bei dieser Ausstellung. Ich hoffe, dass wir mit der Audiotour für Kinder und Jugendliche die Gratwanderung hinbekommen, historisches Grundlagenwissen zu vermitteln, ohne sie damit zu langweilen. 

Wolf-Sören Treusch, geboren 1960, Studium der Politik und Soziologie, 1987 bis 1989 Volontariat beim Sender Freies Berlin. Seit dem Mauerfall 1989 arbeitet er als freier Autor und Journalist, hauptsächlich für die Redaktionen von Deutschlandradio Kultur, Deutschlandfunk und für die ARD. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte, Politik und Soziales und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports. Seit 2009 ist Wolf-Sören Treusch zudem freier Autor für acoustiguide, einem Anbieter von Audioführungen. Er hat bereits den Audioguide für Erwachsene zur Open-Air-Ausstellung konzipiert. 

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