Neuerscheinung: „Wir haben nur die Straße“ – Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90

Tags: Neuerscheinung, Buch, Reden, Montagsdemonstrationen, Archiv Bürgerbewegung Leipzig

Mit ihren gewaltfreien Montagsdemonstrationen 1989/90 prägten Leipziger oppositionelle Gruppen die Protestbewegung in der ganzen DDR. In ihren Ansprachen auf der Straße ermutigten die Redner die Demonstranten, gegen Repression und Entmündigung einzutreten. Gleichzeitig appellierten sie an die Menschen, sich friedlich für den Wandel der Gesellschaft einzusetzen.

Fred Kowasch, ein Vertreter der Leipziger oppositionellen Gruppen, spricht am 15. Januar 1989 auf dem Markt zu den Teilnehmern der nicht genehmigten Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in Leipzig. Von seiner Rede gibt es leider keinen Mitschnitt der DDR-Medien.
Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig

93 Reden in einem Band

Für ihre Dokumentation „Wir haben nur die Straße“ haben Herausgeber Achim Beier und Uwe Schwabe vom Leipziger Archiv Bürgerbewegung jetzt erstmals die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90 zusammengetragen. In Archiven von Fernseh- und Radiosendern konnten die Herausgeber 93 von insgesamt 127 Ansprachen ausfindig machen, die zwischen Oktober 1989 und März 1990 gehalten wurden. Viele Fotografien und Dokumente illustrieren das damalige Geschehen.

 

Der 9. Oktober 1989 in Leipzig

Am 9. Oktober 1989 war die Situation in Leipzig zum Zerreißen gespannt. Tausende Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Es kursierten Gerüchte über eine gewalttätige Niederschlagung der Demonstration. Trotzdem zogen an diesem Abend rund 70.000 Menschen über den Leipziger Innenstadtring und riefen „Wir sind das Volk!“. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein.

 

Bisher unveröffentlichte Tonmitschnitte

Was in diesen Stunden hinter den Kulissen geschah, zeigen drei bisher unveröffentlichte historische Tonmitschnitte, die dem Buch als CD beiliegen. Darunter Ausschnitte von heimlich gemachten Tonaufnahmen einer SED-Parteisitzung am Vormittag des 9. Oktober 1989 im Leipziger Rathaus. Ein anderes Audiodokument enthält Auszüge aus einer Einweisung von vermutlich etwa 2.000 Genossen, die auf Geheiß der SED am Nachmittag des 9. Oktober die Nikolaikirche in Leipzig „besetzen“ sollten. Ein Hörbeispiel:

Herausgeber Uwe Schwabe kommentiert die Mitschnitte so: „Wenn man verstehen will, warum die DDR untergegangen ist, muss man sich die CD anhören. Darin zeigen sich die Hilflosigkeit, die Entmündigung und das Ausblenden der Realität bei den Genossen. Selten haben SED-Funktionäre sich so geirrt und lächerlich gemacht.“

 

Wer die beiden Herausgeber live erleben will, kann das am 19. März 2016 im Programm der Leipziger Buchmesse tun. Um 18 Uhr werden Uwe Schwabe und Achim Beier ihre Dokumentation im Museum in der Runden Ecke präsentieren.

Achim Beier/Uwe Schwabe (Hg.)
"Wir haben nur die Straße"
Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90
Eine Dokumentation
Mit einer Einführung von Tobias Hollitzer 
252 S., geb., Audio-CD ISBN 978-3-95462-606-9
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

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