Thementag CAD: Labor für gelebte Demokratie

Tags: Aufbau, Stasi-Zentrale

Was soll der Campus für Demokratie leisten? Wie kann es gelingen, die Stasi-Zentrale mit neuem Leben zu erfüllen? Während des Thementages „Campus für Kunst und Demokratie“ der Citizen Art Days (CAD) am 28. Mai erfuhren Besucher, Experten und Künstler, wie gelebte Demokratie an diesem Ort aussehen kann.

Drei Theme, drei Tische - der Thementag im Rahmen der Citizen Art Days.
Quelle: CAD / Krüskemper

Das ehemalige Offizierskasino auf dem Stasi-Gelände verwandelt sich an diesem Tag in ein Labor für gelebte Demokratie. Während der Citizen Art Days ist das Haus Treffpunkt für Interessierte und Akteure. Im Veranstaltungssaal im ersten Stockwerk stehen drei große Tische, auf denen Stifte und lange Papierbahnen bereitliegen, um Gedanken und Ideen festzuhalten. Jedem Tisch ist ein anderer Themenschwerpunkt zugeordnet. An Tisch 1 geht es um die Stichpunkte „Erinnerung und Zukunft“, an Tisch 2 wird nach der Bereitschaft zur Demokratie gefragt und an Tisch 3 soll sich die Diskussion um inklusive Aspekte drehen.

Berliner, Künstler, Flüchtlinge aus dem benachbarten Wohnheim und Mitarbeiter verschiedener Institutionen sind gekommen, um eine konkrete Vision von einem Campus der Demokratie zu entwerfen. Gunilla Daublesky ist zum vierten Mal bei den Citizen Art Days dabei. Sie entscheidet sich für Tisch 1 und fragt in die Runde, wie man die negative Energie der Stasi-Vergangenheit in etwas Neues und Positives verwandeln kann. Von vielen Berlinern wird das Gelände immer noch als hermetischer Ort wahrgenommen, der zu DDR nur Mitarbeitern der Staatssicherheit zugänglich war. 

María Linares von der Künstlergruppe "Paralle Welten", die die Citizen Art Days initiiert hat, erläutert Bewohnern der Notunterkunft ihre Idee eines lebendigen Campus.
Quelle: Anja Karrasch

Positive Aspekte der Geschichte erzählen

Tom Sello, Projektleiter der Ausstellung „Revolution und Mauerfall“, zeigt mit dem Arm in Richtung Innenhof: „Dort entsteht zurzeit unsere Ausstellung, mit der wir das Gelände bunter machen und an die freudigen Aspekte der Geschichte erinnern wollen. Nämlich wie eine Diktatur beseitigt wurde, von Ostdeutschen, die ihre Hoffnungslosigkeit überwunden hatten und die Gesellschaft in einem demokratischen Sinne ändern wollten.“

Jose Lino Albino Barbosa beschäftigt sich mit der Frage, welche Auswirkungen Gewalt und Unterdrückung in seiner Heimat Kolumbien auf die Einwohner haben. Der studierte Philosoph initiiert in Bogotá kulturelle Projekte, um die alltäglichen Gewalt-Erfahrungen in einer alternativen Form gemeinsam mit den Betroffenen zu verarbeiten. Als er beim CAD im alten Offizierscasino ein Plakat aufhängen will, wird ihm gesagt, dass das nicht gehe, weil das  Gebäude denkmalgeschützt sei. „Wie soll es dann möglich sein, Besuchern hier lebendig und kreativ von der Geschichte zu erzählen?“, fragt er. 

Tom Sello und Dagmar Hovestädt (links im Bild) diskutieren, wie aus der ehemaligen Stasi-Zentrale ein Ort entwickelt werden kann, der positive Geschichten erzählt und demokratische Werte vermittelt.
Quelle: Anja Karrasch

Gelebte Demokratie im Umgang mit den Flüchtlingen

Dagmar Hovestädt von der BStU erläutert, dass der Campusgedanke negative Wahrnehmung aufbrechen möchte, um das Gelände in einem demokratischen Prozess zu einem lebendigen Ort zu entwickeln. Indem die Geschichte der Repression verbunden wird mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. „Deshalb sind die Geflüchteten, die in den umliegenden Plattenbauten untergekommen sind, ein Geschenk. Sie sind in die Mauern eingezogen, in denen Unterdrückung bürokratisch organisiert wurde, fordern ihr Menschenrecht auf Asyl ein und uns dazu auf, demokratisch damit umzugehen.“

An den anderen Tischen wird diskutiert, wie dies konkret gelebt werden kann. Einigkeit besteht darüber, dass der Austausch zwischen Flüchtlingen und Anwohnern gefördert werden muss. „Die Bewohner möchten sich einbringen und suchen den Kontakt. Aber bislang gibt es dafür zu wenige Möglichkeiten“, bedauert der Leiter der Notunterkunft Bernhard Schmidt. Während der Citizen Art Days beschäftigten sich verschiedene künstlerische Projekte mit den Themen Migration und Teilhabe und setzten sie gemeinsam mit den Bewohnern um. Auch am Thementag entstehen neue Ideen für Projekte, ein „Markt der Talente“ zum Beispiel oder ein Videoworkshop mit Jugendlichen.

Petra Grampe von der Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE hält die Ideen für realisierbar: „Es gibt Initiativen wie den Verein Kiezspinne oder hier ansässige Hochschulen, mit denen wir das umsetzen können. Die Vernetzung untereinander ist wichtig“. Ein Anfang ist gemacht.

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