Neue Impulse für die Stasi-Zentrale

Tags: Stasi-Zentrale, Stadtentwicklung, Campus

Das ehemalige Stasi-Gelände teilen sich heute viele unterschiedliche Eigentümer und Nutzer. Noch stehen etwa ein Drittel der 175.000 Quadratmeter Nutzfläche leer. Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Nach dem Mauerfall wurden große Teile des Areals als Bürostandort der Deutschen Bahn genutzt. Die Stasi-Unterlagenbehörde und das Stasi-Museum haben hier seit 1990 ihren Sitz. Ein Problem war lange Zeit der Leerstand in den ehemaligen Bürogebäuden, die die Bahn an einen privaten Investor verkaufte. Seit Oktober 2015 leben in den 13-stöckigen Plattenbauten an der Ruschestraße 103-104 etwa 1300 Flüchtlinge. Die ehemalige Poliklinik wird als Ärztehaus betrieben. Zudem befinden sich auf dem Gelände ein Finanzamt, verschiedene Verbände und ein alternatives Wohnprojekt.

Blick auf Haus 18 (links), in dem Flüchtlinge untergebracht sind, und Haus 7 (rechts), in dem sich das Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen befindet.
Quelle: Thomas Rosenthal

Attraktiver Standort für Kultur und Kreativwirtschaft

Das ehemalige MfS-Areal ist seit März 2011 Teil der westlichen Sanierungsinsel des Stadtumbau- und Sanierungsgebiets Frankfurter Allee Nord. „Es bedarf noch großer Anstrengungen, um aus diesem besonderen Ort einen zukunftsfähigen Ort zu machen, sagt Constance Cremer von der STATTBAU GmbH, die im Auftrag des Senats das Nutzungskonzept für das Gelände entwickelt hat. Viele Interessengruppen müssen berücksichtigt und die Pläne auf die aktuellen Entwicklungen angepasst werden.“

Die Vorschläge reichen von einer Aufwertung des öffentlichen Raums durch Teilabriss und Neubau eines Verwaltungsstandortes bis zur Maximalvariante "Kultur- und Geschichtscampus" mit großflächigem Abriss und kompletter Umgestaltung. Alle Varianten zielen darauf ab, den Block als Standort für Dienstleistungen, Kultur und die Kreativwirtschaft zu etablieren. Eine Wohnnutzung war ursprünglich nur begrenzt geplant. Die aktuelle Flüchtlingssituation schuf neue Fakten und führte zu einer Änderung der Nutzungspläne. 

„Wünschenswert wäre die Bildung einer Standortgemeinschaft, um neue Impulse zu setzen. Positiv für die Zukunft ist die Eröffnung der Open-Air-Ausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft im Juni 2016, wodurch das Gelände zusätzlich zum Stasi-Museum überregionale Bedeutung erhält“, so Constance Cremer.

Podiumsrunde zum Thema „ Campus für Demokratie“ aus Anlass des Bürgertages des BStU am 17.01.2015. V.l.n.r.: Constance Cremer (Geschäftsführerin Stattbau), Prof. Dr. Sybille Frank (TU Berlin), Roland Jahn (Bundesbauftragter für die Stasi-Unterlagen), Sven Felix Kellerhoff (Die Welt), Dr. Anna Kaminsky (Bundesstiftung Aufarbeitung), Tom Sello (Robert-Havemann-Gesellschaft)
Quelle: BStU

Ideen und Visionen für die Zukunft des Geländes gibt es viele. Ein „Campus für Demokratie“, wie ihn der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde BStU Roland Jahn vorgeschlagen hat, könnte auf dem Areal zwischen Rusche-, Normannen- und Magdalenenstraße entstehen. Neben der Entscheidung für die Stasi-Zentrale als Standort der Revolutionsausstellung wurden weitere wichtige Schritte kürzlich getan: Das ehemalige Offiziers-Kasino, Haus 22, ist wieder in öffentlichem Besitz und soll nach seiner denkmalgerechten Sanierung Kern des geplanten Campus werden. Doch schon vorher, in der Bauplanungsphase, wird dort der zentrale Infopunkt des Geländes untergebracht sein, an dem sich die Besucher über die Geländegeschichte, das Stasi-Akten-Archiv, das Stasi-Museum und die Open-Air-Ausstellung informieren können.

Die "Expertenkommission zur Zukunft der BStU" hat in einem aktuellen Bericht eine plurale Nutzung des Geländes mit neuen Ausstellungs- und Bildungsformaten vorgeschlagen. Dazu soll eine „Stiftung Diktatur und Widerstand - Forum für Demokratie und Menschenrechte“ als eigenständige Stiftung öffentlichen Rechtes errichtet werden. 

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