Bundespräsident Gauck besucht die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall“ in Berlin-Lichtenberg

Die Schau dokumentiert seit dem 15. Juni 2016 die wichtigsten Stationen der Friedlichen Revolution

09.10.2016 | Berlin

Berlin, 9. Oktober 2016 - Anlässlich des Jahrestags der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig hat Bundespräsident Joachim Gauck heute die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall“ der Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin besucht. An diesem Tag fand in Leipzig die größte Protestdemonstration der DDR seit dem Volksaufstand von 1953 statt. Ihr friedlicher Verlauf ermutigte viele Menschen in der DDR, für Freiheit und Demokratie einzutreten. Bei seinem Rundgang durch die Ausstellung würdigte der Bundespräsident das Engagement der Ostdeutschen in der Friedlichen Revolution und sagte:

„Bei der Friedlichen Revolution 1989 handelt es sich um eines der ganz großen Daten der deutschen Freiheitsgeschichte. Deshalb muss das, was eine Minderheit der Deutschen im Osten geleistet hat, ins ständige Bewusstsein der gesamten Nation gerückt werden. Wir können stolz darauf sein, was damals gelungen ist, trotz all der Ängste. Das sollten wir uns gerade an dem heutigen Tag klarmachen.“

Die Leipziger Montagsdemonstrationen - wie die Proteste in Dresden, Plauen und Berlin - sind zentraler Bestandteil der Dauerausstellung „Revolution und Mauerfall“. In der Zusammenschau vieler kleiner und großer Aktionen und Demonstrationen zeigt sie die Dimensionen der Freiheitsrevolution. Sie verdeutlicht aber auch, dass 1989 keine ostdeutsche, sondern eine europäische Revolution war für eine offene, demokratische und freiheitliche Gesellschaft.

„Diese Ausstellung hat den Vorteil, dass sie das, was damals gehofft und mündlich verbreitet wurde, auch für die Menschen aufbereitet, die nicht dabei waren“, so der Bundespräsident. Je weiter die Zeit voranschreite, desto weniger Zeitzeugen werde es geben. „Deshalb brauchen wir eine verfestigte Tradition für dieses große Datum der Freiheitsgeschichte“, betonte er.

Gauck unterstrich, er freue sich, dass in der Ausstellung auch eine kleine Stadt wie Plauen im Vogtland gewürdigt werde, wo die Bürger wie in Berlin schon am 7. Oktober die Feier zum 40. Jahrestag der DDR zu einer großen Gegendemonstration gegen das Regime umgemünzt hätten. Dies sei ein „Plädoyer für Mut, für eine Bürgerhaltung des Sicheinmischens“, die in jede Zeit passe, in eine Diktatur wie in eine freiheitliche Gesellschaft: „Ohne Bürger, die sich einmischen, dünnt die Demokratie aus. Insofern spricht so eine Ausstellung aus einer anderen Zeit auch mitten hinein in die aktuelle Gegenwart.“

Zum Abschluss seines Ausstellungsrundgangs schrieb Bundespräsident Gauck ins Gästebuch: „Vor der Einheit kam die Freiheit! Dank an alle Menschen, die damals mitgewirkt haben.“

 

Proteste in Berlin und Leipzig

Zwei Tage vor der Leipziger Demonstration wurden die Proteste am 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin noch brutal niedergeknüppelt. Der Demonstrationszug bewegte sich zur Gethsemanekirche. Dort fand seit Tagen eine Mahnwache statt, um die Freilassung von Demonstranten zu erreichen, die in den Wochen zuvor in Leipzig festgenommen worden waren. Zwischen Oppositionellen in Leipzig und Berlin bestand immer ein enger Austausch. So auch am 9. Oktober. Als die Nachricht vom friedlichen Verlauf der Leipziger Demonstration beim Kontakttelefon einging und in der Gethsemanekirche verkündet wurde, löste sich die Anspannung im Beifall auf und die Kirchenglocken wurden geläutet. Als die Menschen vor die Kirche traten, waren auch dort die uniformierten Einsatzkräfte abgezogen.

Die Freiheitsrevolution aus der Perspektive der Akteure

Die zweisprachige Dauerausstellung „Revolution und Mauerfall“ der Robert-Havemann-Gesellschaft im Innenhof der Stasi-Zentrale zeigt die wichtigsten Stationen der Friedlichen Revolution in der DDR – von den Anfängen des Protests über den Mauerfall bis zur deutschen Einheit. Mehr als 650 Bilder, historische Dokumente und Filme laden zur Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Umbruch in Ostdeutschland ein und erinnern an die bewegenden Momente der geglückten Freiheitsrevolution. Die multimediale Schau stellt die Akteure von damals in den Mittelpunkt. Sie zeichnet den vielschichtigen Prozess der Selbstbefreiung nach und zeigt, wie unterschiedlich die Interessen, Motive und Ziele der Beteiligten waren.

 

Informationen zur Ausstellung auf einen Blick

·         Ausstellungsort: Stasi-Zentrale, Ruschestraße 103, 10365 Berlin-Lichtenberg

·         Täglich rund um die Uhr geöffnet, Eintritt frei, barrierefreier Zugang

·         Information täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet

·         Aktuelle Informationen unter www.revolution89.de

·         Social Media: www.facebook.com/AusstellungRevolution89, www.twitter.com/Rev89_de

 

Pressematerialien zum Herunterladen

·         Digitale Pressemappe

·         Bildmaterial zur freien Verwendung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung

 

Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall“

Die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall“ ist ein Projekt der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und das Bezirksamt Berlin-Lichtenberg.

Robert-Havemann-Gesellschaft und Archiv der DDR-Opposition

Das Archiv der DDR-Opposition sammelt, bewahrt und erschließt Materialien zu Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur in der SBZ/DDR. Es ist eines der bedeutendsten Archive zur DDR-Oppositionsgeschichte. Trägerin ist die Robert-Havemann-Gesellschaft. Der Verein gibt Publikationen zur Oppositionsgeschichte heraus und betreibt Bildungsarbeit mit Ausstellungen, in Veranstaltungsreihen und Seminaren.


Pressekontakt

Tom Sello

Open-Air-Ausstellung "Revolution und Mauerfall"

Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.
Schliemannstraße 23
10437 Berlin

+49 (0)30 447 108 11
+49 (0)176 50341690

tom.sello[at]havemann-gesellschaft.de

Blog aufrufen
Kontakte aufrufen
zum Seitenanfang