„Mauerspechte“ am 10. November 1989 in Berlin. Die Menschen fangen an, die Berliner Mauer selbst abzutragen. Der offizielle Abbau beginnt ebenfalls im November 1989 am Potsdamer Platz und wird ab dem 20. Februar 1990 zwischen Brandenburger Tor und dem Grenzübergang Checkpoint Charlie fortgesetzt.
Quelle: Bundesregierung/Uwe Rau

Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion

Angesichts der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise in der DDR verlassen im ersten Halbjahr 1990 etwa eine Viertelmillion Ostdeutsche das Land in Richtung Bundesrepublik. Sie sind überwiegend jung und gut ausgebildet.

Die Bundesregierung lehnt es ab, die DDR-Wirtschaft durch Finanzspritzen zu stabilisieren. Im Februar 1990 schlägt sie vor, die DDR möglichst rasch in das Währungs- und Wirtschaftssystem der Bundesrepublik einzubeziehen. Am 18. Mai wird der Staatsvertrag über eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion unterzeichnet. Er enthält auch wichtige arbeits- und sozialrechtliche Regelungen.

Ab 1. Juli 1990 ist die D-Mark der Bundesrepublik in der DDR alleiniges Zahlungsmittel. Die Währungsumstellung von Ost-Mark in D-Mark erfolgt bei Löhnen, Mieten und Renten im Verhältnis 1:1, um wirtschaftliche und soziale Benachteiligungen zu vermeiden. Eingeführt werden außerdem freier Wettbewerb, freie Preisbildung und das Recht auf Privateigentum als zentrale Bestandteile einer Marktwirtschaft.

Die SED-Führung versucht, den bevorstehenden Staatsbankrott so lange wie möglich zu vertuschen. Doch die darniederliegende Industrie, verfallende Städte, Umweltschäden und Mangelwirtschaft sprechen ihre eigene Sprache. Aufnahme von 1990: schadhafte Entstaubungsanlagen in einer Brikettfabrik in Lauchhammer.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Die SED-Führung versucht, den bevorstehenden Staatsbankrott so lange wie möglich zu vertuschen. Doch daniederliegende Industrie, verfallende Städte, Umweltschäden und Mangelwirtschaft sprechen ihre eigene Sprache. Aufnahme von 1990: Fassade in Berlin-Mitte.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Die SED-Führung versucht, den bevorstehenden Staatsbankrott so lange wie möglich zu vertuschen. Doch daniederliegende Industrie, verfallende Städte, Umweltschäden und Mangelwirtschaft sprechen ihre eigene Sprache. Aufnahme von 1990: Andreasviertel in Erfurt.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (vor der Säule links) und Bundesfinanzminister Theodor Waigel (2. v. r.) am 13. Februar 1990 in Bonn. Der Druck aus der Bevölkerung und die Ablehnung der Milliardenhilfe zwingen die Regierung Modrow, Gespräche zur Wirtschafts- und Währungsunion aufzunehmen.
Quelle: picture-alliance/ZB/Peter Zimmermann
Bevölkerung und Regierung der DDR fordern eine Währungsumstellung von DDR-Mark in D-Mark im Verhältnis 1:1, wie hier auf einer Demonstration in Ost-Berlin am 5. April 1990. Viele westdeutsche Wirtschaftsexperten sprechen sich aufgrund der weit geringeren Produktivität der DDR-Betriebe dagegen aus.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Gerald Zörner
Am 18. Mai 1990 unterzeichnen die Finanzminister der beiden deutschen Staaten den Staatsvertrag zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion: Theodor Waigel (r. sitzend) für die Bundesrepublik und Walter Romberg (l. sitzend) für die DDR. Der Vertrag tritt am 1. Juli 1990 in Kraft.
Quelle: Bundesarchiv/1990-0518-025/Bernd Settnick
Preissenkung in einem Erfurter Geschäft im Mai 1990. Kurz vor der Währungsunion sind die Läden in der DDR wie leer gefegt. Die Händler kaufen keine Waren mehr ein, da sie auf die Westmark warten, um neue Produkte zu bestellen.
Quelle: Schicker Fotodesign
In der Nacht zum 1. Juli 1990, dem Tag der Währungsunion, kommt es zu einem Ansturm auf die Banken. Kurz nach Mitternacht wird das Vermögen des ersten Kunden in der Filiale der Deutschen Bank am Alexanderplatz in Ost-Berlin umgetauscht. Ihm wird ein Sparbuch im Wert von 100 D-Mark geschenkt.
Quelle: Schicker Fotodesign
Neugierde am Centrum-Warenhaus in Ost-Berlin. Pünktlich zur Währungsunion füllen neue Waren die Schaufenster der Kaufhäuser und Geschäfte. Da die Währungsumstellung auf einen Sonntag fällt, kann die DDR-Bevölkerung erst am darauffolgenden Tag ihr neues Geld ausgeben.
Quelle: Bundesregierung/Lehnartz
Schlange stehen vor der Sparkasse, hier in Leipzig. Im Mai und Juni 1990 erhalten DDR-Bürger Anträge für die Umstellung ihrer Sparguthaben zur Währungsunion.
Quelle: Gerhard Gäbler/Leipzig
Der Erfurter Lebensmittelhändler Peter Voigt setzt bereits im Januar 1990 sein Recht auf Gewerbefreiheit durch und vollzieht allein eine Währungsunion. Er findet einen Lieferanten im Westen, erhält die staatliche Genehmigung zur Annahme von Westgeld und verkauft an seine Kundschaft lang entbehrtes Obst für D-Mark.
Quelle: Frankfurter Neue Presse/Frank Horlbeck
Brief an Wolfgang Ullmann von Demokratie Jetzt, 25. Februar 1990: Die Menschen in der DDR sorgen sich um ihre sozialen Rechte, um ihre Krankenversorgung, ihre Renten. Zur Einführung der Sozialunion gehört deshalb eine Anschubfinanzierung für die Renten- und Arbeitslosenversicherung der DDR durch die Bundesrepublik.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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