„Mauerspechte“ am 10. November 1989 in Berlin. Die Menschen fangen an, die Berliner Mauer selbst abzutragen. Der offizielle Abbau beginnt ebenfalls im November 1989 am Potsdamer Platz und wird ab dem 20. Februar 1990 zwischen Brandenburger Tor und dem Grenzübergang Checkpoint Charlie fortgesetzt.
Quelle: Bundesregierung/Uwe Rau

Bürgerengagement und gesellschaftliche Selbstorganisation

Bürgerengagement und gesellschaftliche Selbstorganisation finden viele Ausdrucksformen. Im Februar 1990 eröffnet in der Winsstraße in Berlin-Prenzlauer Berg ein Dritte-Welt-Laden. Bis Ende 1990 versuchen etwa eine Million Menschen, Firmen zu gründen oder auszubauen. Gute Chancen haben diejenigen, die ihre in der DDR enteigneten Betriebe zurückerhalten oder ihre Handwerksbetriebe über die Jahrzehnte in der DDR in Privatbesitz halten konnten.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Vinia Rutkowski
In der DDR war der Kulturbetrieb staatlich kontrolliert. Kunstbegeisterte aus der alternativen Szene in Berlin-Prenzlauer Berg nutzen 1989 die neuen Freiheiten: Sie besetzen Räume in einem Mietshaus und eröffnen zu Silvester die private Galerie ACUD.
Quelle: Claudia Wasow-Kania
Private Neugründung: In seinem Wohnzimmer in der Gethsemanestraße in Berlin-Prenzlauer Berg lässt Christoph Links im Dezember 1989 einen der ersten Privatverlage der DDR entstehen. Am 5. Januar 1990 konstituiert sich der Ch. Links Verlag als GmbH.
Quelle: Ulrich Burchert
Im Zuge des erkämpften Rechts auf freie Meinungsäußerung melden sich auch rechtsradikale Stimmen zunehmend öffentlich zu Wort, wie hier am 20. April 1990 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin. Dagegen treten antifaschistische Initiativen an.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Matthias Weber
Zukünftig Naturpark: Blick auf die ehemaligen Grenzsperranlagen im Schaalseegebiet (Mecklenburg) im Frühjahr 1990. Mithilfe engagierter Umweltschützer und Vertreter der letzten DDR-Regierung kann trotz knapper Vorbereitungszeit ein Nationalparkprogramm in den Einigungsvertrag aufgenommen werden.
Quelle: Lebrecht Jeschke
Protestaktion vor der Deponie in Vorketzin im Januar 1990, wo der Sondermüll aus West-Berlin abgeladen wird. Viele Bürgerinitiativen fordern ein komplett neues Müllkonzept und andere Maßnahmen zum Schutz der geschändeten Umwelt.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter
Sebastian Pflugbeil vom Neuen Forum, Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung Modrow, besucht im Februar 1990 das Atomkraftwerk bei Greifswald. Er hat entscheidenden Anteil an der Abschaltung des störanfälligen AKW und wird dafür von der Belegschaft massiv angefeindet.
Quelle: Ostseezeitung Rostock/Treder
In größeren Städten Ostdeutschlands besetzen junge Menschen aus Ost und West unbewohnte Häuser, um gegen Leerstand und Verfall zu protestieren. Die Räumung der Häuser im November 1990 provoziert tagelange gewalttätige Auseinandersetzungen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter
Explosionsartig entfaltet sich im Herbst 1989 zivilgesellschaftliches Engagement. Die Menschen setzen sich für ihre Belange ein, gründen Vereine und Bürgerinitiativen. In einer 1990 erschienenen Broschüre stellen sich zahlreiche Gruppen vor, in denen auch Mitglieder der Bürgerbewegungen sehr aktiv sind.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Eine Sonderausgabe der Berliner Zeitung vom März 1990 berichtet über die Aktivitäten der Arbeitsgruppen des Zentralen Runden Tisches und der lokalen Runden Tische.
Quelle: Sonderausgabe der Berliner Zeitung: „Runde Tische“, März 1990
Aus Karl-Marx-Stadt soll wieder Chemnitz werden. Ende November 1989 gründet sich eine Bürgerinitiative, die 43.000 Unterschriften als Grundlage für eine Volksabstimmung sammelt. Im April 1990 stimmen 76 Prozent für den alten Namen. Viele Menschen in der DDR entdecken die Geschichte ihrer Städte und Regionen und beziehen daraus eine neue Identität.
Quelle: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Das Thema Schwangerschaftsabbruch begleitet die Verhandlungen zum Einigungsvertrag. Auf Demonstrationen fordert unter anderem der Unabhängige Frauenverband, die in der DDR seit 1974 geltende Fristenlösung beizubehalten und somit das Recht auf Schwangerschaftsabbruch nicht einzuschränken.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Plakatsammlung
In den DDR-Betrieben wird 1990 um die wirksamste Form der Belegschaftsvertretung gestritten. Zur Debatte stehen nach westdeutschem Muster erneuerte Gewerkschaftsvertretungen oder Betriebsräte, die vielerorts favorisiert werden. Druckvorlage für ein Plakat der Vereinigten Linken von 1990.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Plakatsammlung
Sonderausgabe der Deutschen Lehrerzeitung von 1990. Über vierzig Jahre wurde von den Schülern in der DDR Mitläufertum statt kritischer Geisteshaltung verlangt. Jetzt entwickeln engagierte Pädagogen Ideen für neue Schulmodelle. Die Leipziger Initiative organisiert verschiedene Veranstaltungen und sammelt Unterschriften für die „Leipziger Erklärung für Freiheit im Bildungswesen“.
Quelle: Schulmuseum-Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig
Viele Mitglieder der „Grünen Liga – Netzwerk ökologischer Bewegungen“ engagierten sich trotz staatlicher Behinderungen bereits in den 1980er-Jahren in der DDR aktiv für den Umweltschutz. Nach ihrer Gründung im Februar 1990 erhält die Grüne Liga Sitz und Stimme am Zentralen Runden Tisch in Berlin.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Plakatsammlung
Im größten Atomkraftwerk der DDR sind wiederholt Störfälle aufgetreten, was die SED-Führung der Öffentlichkeit verschwiegen hat. Nach Bekanntwerden der Anfälligkeit der Anlage erwirken Umweltgruppen und Bürgerbewegungen 1990 eine schrittweise Abschaltung des Werks bei Greifswald. 1995 wird es endgültig stillgelegt.
Quelle: DER SPIEGEL, 29.01.1990
Positionspapier der Bürgerinitiative Gesundheits- und Sozialwesen Karl-Marx-Stadt mit Vorschlägen für Sofortmaßnahmen zur Verbesserung und Demokratisierung in diesem Bereich.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Protestbrief an den SED-Oberbürgermeister Leipzigs. Kritisiert wird die fehlende Bereitschaft der Stadtverwaltung, Hilfsangebote von Kinderärzten aus der Bundesrepublik anzunehmen. Nach dem Mauerfall erhalten viele ostdeutsche Städte und Kommunen finanzielle, materielle, personelle oder organisatorische Unterstützung aus dem Westen.
Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig
Hinrich Lehmann-Grube ist Oberstadtdirektor von Hannover, das seit 1987 Leipzigs Partnerstadt ist. Er nimmt im April 1990 die Staatsbürgerschaft der DDR an, um als SPD-Kandidat an der Kommunalwahl im Mai teilzunehmen. Im Juni wird er zum Leipziger Oberbürgermeister gewählt und bekleidet dieses Amt bis 1998.
Quelle: Stiftung Haus der Geschichte, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Nach Beratungen zwischen der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und dem Runden Tisch des Bezirkes Leipzig im Januar 1990 versprechen die Westdeutschen konkrete Unterstützung in den Bereichen Umweltschutz, Energie, Verkehr, Wohnen, Wirtschaft, Gesundheit und Bildung.
Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig

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