„Mauerspechte“ am 10. November 1989 in Berlin. Die Menschen fangen an, die Berliner Mauer selbst abzutragen. Der offizielle Abbau beginnt ebenfalls im November 1989 am Potsdamer Platz und wird ab dem 20. Februar 1990 zwischen Brandenburger Tor und dem Grenzübergang Checkpoint Charlie fortgesetzt.
Quelle: Bundesregierung/Uwe Rau

Einheit - ja oder nein? Wann und wie?

Die Losungen während der Demonstrationen in der DDR verändern sich Ende November 1989. Zunehmend fordern die Menschen die staatliche Einheit als Weg zu Demokratie und Wohlstand. Ein Teil der Bürgerbewegungen hingegen sieht die Demokratisierung des Landes als Voraussetzung für die Einheit. Andere wollen eine eigenständige DDR erhalten, fürchten eine Vereinnahmung durch den Westen und plädieren für eine "sozialistische Alternative" zur Bundesrepublik - so im Aufruf "Für unser Land" vom 26. November 1989.

Auch in der Bundesrepublik gibt es Gegner der Vereinigung. Sie warnen vor deutsch-nationalem Größenwahn und ungebremstem Kapitalismus. Im Grundgesetz ist die Aufforderung an  "das Deutsche Volk" formuliert, "in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden".

Eine schnelle Vereinigung ist zunächst nicht das Ziel der bundesdeutschen Politik: Bundeskanzler Helmut Kohl legt Ende November 1989 ein Zehn-Punkte-Programm für einen allmählichen Annäherungsprozess vor. Bei ihren Besuchen in der DDR spüren westdeutsche Politiker den wachsenden Druck aus der Bevölkerung. Ende Januar 1990 setzen konkrete Planungen für eine zügige Wiedervereinigung ein.

Immer häufiger fordern Demonstranten die deutsche Einheit. Vor allem nach dem Mauerfall am 9. November 1989 steht die Wiedervereinigung in Sprechchören und auf Transparenten im Mittelpunkt, wie hier in Plauen am 2. Dezember 1989.
Quelle: Gunnar Tessarczyk/Plauen
Am 3. Dezember 1989 gehen zahlreiche Menschen in der DDR „Für unser Land“ auf die Straße, wie hier im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Anfang Dezember 1989 demonstrieren Ostdeutsche mit Lichterketten: die einen für die Wiedervereinigung, die anderen dagegen.
Quelle: Gunnar Tessarczyk/Plauen
Demonstration in Ost-Berlin am 10. Dezember 1989. Gefordert wird die umgehende Einleitung demokratischer Reformen in der DDR.
Quelle: Hans-Peter Stiebing
Bundeskanzler Helmut Kohl spricht am 19. Dezember 1989 in Dresden. Große Teile der Bevölkerung empfangen im Winter 1989 begeistert westdeutsche Politiker. Auch aufgrund solcher Erfahrungen macht die Bundesregierung Ende 1989 weitere Finanzhilfen vom Fortschritt der Reformen in der DDR abhängig.
Quelle: picture-alliance/Sven Simon
Skeptiker einer schnellen Einheit, wie hier in Leipzig am 29. Januar 1990, betrachten sowohl die Demokratisierung der DDR als auch gesellschaftliche Veränderungen in der Bundesrepublik als unverzichtbar für ein vereinigtes Deutschland.
Quelle: Gerhard Gäbler/Leipzig
Parteitag der Ost-SPD vom 22. bis 25. Februar 1990 in Leipzig: Der saarländische Ministerpräsident und westdeutsche SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine spricht sich vor allem aus ökonomischen und sozialen Gründen gegen eine zu rasche Wiedervereinigung aus.
Quelle: Bundesarchiv/183-1990-0223-029/Wolfgang Kluge
In Westdeutschland bekunden Gegner der Einheit ihre Angst vor einem Wiederaufleben deutsch-nationalen Größenwahns. Diese Haltung ist vor allem im politisch linken Spektrum der Bundesrepublik verbreitet.
Quelle: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Die Initiatoren des Aufrufs „Für unser Land“ beschwören mit der Erinnerung an die „sozialistischen und humanistischen Ideale“ der DDR deren Gründungsmythos. Als die Staatspartei SED den Appell unterstützt und sich zu dessen Sprachrohr macht, distanzieren sich die Unterzeichner der Bürgerbewegungen mehrheitlich davon.
Quelle: Neues Deutschland, 29.11.1989
Demokratischer Aufbruch, Neues Forum und Sozialdemokratische Partei formulieren in diesem Flugblatt vom 1. Dezember 1989 ihre Zustimmung zur Wiedervereinigung. Sie betonen jedoch, dass sie die Einheit als langfristig zu lösende Aufgabe ansehen.
Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig
In zahlreichen Briefen formulieren Menschen aus allen Teilen des Landes ihre Hoffnungen in die deutsche Einheit und kritisieren damit gleichzeitig die zögerliche Haltung, die Teile der Bürgerbewegung zur Wiedervereinigung einnehmen. Auszug aus einem Brief aus Plauen an das Neue Forum, 14. Dezember 1989.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Flugblatt der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt, März 1990.
Quelle: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
In Westdeutschland bekunden Gegner der Einheit ihre Angst vor einem Wiederaufleben deutsch-nationalen Größenwahns. Diese Haltung ist vor allem im politisch linken Spektrum der Bundesrepublik verbreitet.
Quelle: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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