Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert
Quelle: Ulrich Burchert
Quelle: Privatarchiv Christoph Links
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Christoph Links

geboren 1954 in Caputh

Als sich Anfang 1989 ein „Hauch von Lockerung“ in der Zensur abzeichnete, schrieb der junge Lektor Christoph Links an das DDR-Kulturministerium und bat um die Lizenz für eine Verlagsgenossenschaft. Er wollte ausloten, wie weit er gehen konnte– innerhalb des Systems. Eine schriftliche Antwort bekam er nie. Stattdessen bat ihn der stellvertretende Kulturminister Klaus Höpcke in sein Büro und ließ ihn lächelnd wissen: Für einen weiteren DDR-Verlag fehle es an Papier und Druckkapazitäten, leider. Bei dieser Abfuhr wäre es wohl geblieben, hätte nicht, wie Links es formuliert, „vor meiner Haustür plötzlich eine Revolution stattgefunden“.

Sehr weit kam man innerhalb des Systems eben nicht. Das hatte der studierte Philosoph und Lateinamerika-Experte schon früher erfahren. Als außenpolitischer Redakteur und Nicaragua-Spezialist in der Berliner Zeitung war er rasch an die Grenzen des DDR-Journalismus gestoßen. Wer für Meinungsfreiheit eintrat und noch dazu in alternativen Dritte-Welt-Kreisen verkehrte, galt als „Träger revisionistischen Gedankenguts“. Daran änderte auch die SED-Parteimitgliedschaft nichts. Immerhin fiel sein Rausschmiss aus der Redaktion Mitte der 1980er Jahre freundlich aus – man bot ihm an, doch lieber zu promovieren.

1986 kam er zum Aufbau-Verlag, wurde Assistent der Geschäftsleitung. Dabei hatte er mit der Verlagswelt, in der seine Eltern zu Hause waren, lange Zeit nichts zu tun haben wollen. Im Dezember 1989, unter den geänderten politischen Verhältnissen, stellte Links einen neuen Antrag für einen unabhängigen Sachbuchverlag und gehörte bald zu den ersten privaten Gründern in der DDR. Am 5. Januar 1990 konstituierte sich LinksDruck als GmbH. Das Startkapital stammte von Freunden. Büroräume waren noch nicht gefunden, das Verlagsprogramm entstand am heimischen Küchentisch.

Direkt vor der Haustür der Familie in der Gethsemanestraße im Prenzlauer Berg hatten nur wenige Wochen zuvor, am 7. Oktober 1989, die Knüppelbrigaden von Volkspolizei und Staatssicherheit auf wehrlose Demonstranten eingedroschen. Ein Freund flüchtete verletzt in die Links' Wohnung. „In jener Nacht haben wir die Schreie der Zusammengeschlagenen gehört“, erinnert sich Links, der selbst mit seinen beiden Kindern hinter die Absperrungen geriet. „Es war der dramatischste Tag meines Lebens.“

In seinem kritischen Sachbuchverlag publizierte der Jungverleger, was „endlich erzählt werden sollte“: Erfahrungen mit dem Stalinismus, verdrängte DDR-Biografien, gesellschaftliche Probleme der Gegenwart. Kurz, es ging um die Aufarbeitung der weißen Flecken der DDR-Geschichte. Autoren schickten ihm Manuskripte, die in der DDR nie hatten erscheinen dürfen. Mit Standardwerken wie Chronik der Wende oder der Reihe des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wurde der Verlag zu einem wichtigen Berichterstatter der Friedlichen Revolution.

Das Verlagsspektrum ist längst breiter geworden, aber Titel zur DDR-Geschichte spielen darin noch immer eine wichtige Rolle. Der Ch. Links Verlag, wie er heute heißt, gehört zu den wenigen DDR-Gründungen, die sich auf dem gesamtdeutschen Buchmarkt behaupten konnten.

Ilona Schäkel

Im Dezember 1990 stellte Christoph Links einen Antrag auf Gründung der Verlagsgenossenschaft LinksDruck.
Quelle: Privatarchiv Christoph Links
LinksDruck gehörte zu den ersten ostdeutschen Verlagsneugründungen.
Quelle: Privatarchiv Christoph Links
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