Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
Quelle: Helmut Adolf, Berlin
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Erika Drees

geboren 1935 in Breslau, gestorben 2009 in Stendal

Mit Beharrlichkeit, aber friedfertig – so ging Erika Drees ihren Weg. Zeitlebens sah sie es als ihre Aufgabe an, die Welt menschenwürdiger zu gestalten, und fühlte sich dabei stets christlichen Werten verpflichtet. Mit ihrem Wirken wurde sie zu einer der wichtigsten Oppositionellen in Stendal und darüber hinaus. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung waren für sie schon lange bedeutende Themen, bevor die Ökumenische Versammlung der Kirchen diese ab 1988 zum Programm erhob.


Während ihres Medizinstudiums in Kiel und West-Berlin engagierte sie sich in der Evangelischen Studentengemeinde und diskutierte schon damals mit Ostdeutschen über Wege zur Wiedervereinigung Deutschlands. Das brachte ihr als Westdeutscher 1958 eine achtmonatige Stasi-Haft im Zuchthaus Roter Ochse Halle (Saale) ein. Trotzdem ging sie 1960 als Nervenärztin in die DDR, lernte dort ihren Mann kennen und lebte ab 1976 mit ihrer Familie in Stendal. Neben ihrem beruflichen Engagement war sie dort eine der Initiatoren des Friedenskreises und der Energiewende-Gruppe, die nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl mit zivilem Ungehorsam und gewaltfreien Aktionen gegen den Bau eines Atomkraftwerkes nahe Stendal antrat.


Nachdem bekannt wurde, dass die Ergebnisse der Kommunalwahlen im Frühjahr 1989 gefälscht waren und DDR-Politiker die brutale Niederschlagung der Demokratiebewegung in China rechtfertigten, organisierte sie mit Freunden ab Juli 1989 Friedensgebete. Wenig später gehörte sie zu den Erstunterzeichnern des Gründungsaufrufes des Neuen Forums und warb dafür öffentlich in ihrem Heimatort. Zuführungen und Ordnungsstrafen konnten sie nicht abhalten, die Angst vor Repressalien hatte sie während ihrer ersten Haft verloren. Sie wurde zur treibenden Kraft des Aufbruchs in der Region, und ihre Wohnung entwickelte sich zur zentralen Anlaufstelle für Menschen, die nach Informationen und Ermutigung suchten.


In allem dachte sie global. Bei der ersten offiziell angemeldeten Demonstration in Stendal am 6. November 1989 forderte sie freie Wahlen, Presse- und Meinungsfreiheit genauso wie Wahrhaftigkeit in allen Lebensbereichen, erinnerte aber gleichzeitig auch an Leid und Armut in der Dritten Welt. So geradlinig und mutig, wie sie redete, handelte sie auch. Als Anfang Dezember 1989 die MfS-Kreisdienststelle besetzt wurde, hielt sie nachts Wache im Gebäude, um dies nicht allein den Volkspolizisten zu überlassen.


Trotz Maueröffnung und Stasi-Auflösung blieb das Atomkraftwerk ihr Thema. Am 10. Dezember 1989 machte sich die Energiewende-Gruppe auf den Weg, um ein Loch in den Zaun zu schneiden und eine Tapetenrolle mit 3 000 Unterschriften gegen den Weiterbau anzubringen. Erika Drees wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, die sie wieder im Roten Ochsen absaß. Weitere Gerichtsprozesse folgten.


Weder in der DDR noch in der Bundesrepublik konnte Bestrafung sie davon abhalten, das zu tun, was sie für richtig hielt. Orden und Ehrungen lehnte sie ab.

Edda Ahrberg

Entlassungsanweisung vom 27.2.1959 aus der Haftanstalt in Berlin
Quelle: BStU
Aufruf: Eine Hoffnung lernt gehen (1987)
Quelle: Heino Falcke
Aufruf: Eine Hoffnung lernt gehen (1987)
Quelle: Heino Falcke
Eingabe von Erika Drees an Margot Honecker am 17.11.1988
Quelle: BStU
Eingabe von Erika Drees an Margot Honecker am 17.11.1988
Quelle: BStU
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