Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
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Heidi Bohley

geboren 1950 in Görlitz

Wer Heidi Bohley kennenlernt, behält sie als eine kleine, quirlige Frau in Erinnerung, die gern und oft lacht. Ihre Lebensfreude und ihr Humor sind ansteckend. Sie hat Sprachwitz, kann die Dinge ganz unverkrampft auf den Punkt bringen. Darin steht sie ihrer in der Öffentlichkeit sehr viel bekannteren Schwägerin Bärbel Bohley in nichts nach. Erst auf den zweiten Blick offenbart Heidi Bohley ihre nachdenkliche und streitbare Seite, nämlich dann, wenn die Vergangenheit verklärt und Unrecht bagatellisiert werden soll.

1989 war Heidi Bohley noch keine vierzig Jahre alt, hatte aber schon seit 1982 in ihrer Heimatstadt Halle kräftig mitgemischt. In der sich etablierenden Oppositionsszene in der DDR spielten die DDR-weit entstandenen Gruppen Frauen für den Frieden eine herausragende Rolle. Heidi Bohley war eine der Gründerinnen und eine treibende Kraft der Hallenser Gruppierung. Das erste überregionale Treffen aller Frauengruppen fand 1984 in Halle statt. In der Folge gab es weiterhin einmal im Jahr solche Koordinierungstreffen der Fraueninitiativen.

Der Preis für dieses Engagement war auch für Heidi Bohley hoch. Sie hatte über Jahre berufliche und andere Schikanen zu ertragen. Als im September 1989 in Grünheide bei Berlin das Neue Forum gegründet wurde, war Heidi eine der Engagiertesten, sammelte sofort für den Gründungsaufruf Unterschriften zur Unterstützung der neuen Bewegung, hielt den Kontakt nach Berlin. Die Mitteilung des Innenministers der DDR am 21. September 1989, dass das Neue Forum verfassungs- und staatsfeindlich sei, verängstigte die Menschen nicht mehr. Es klingelte unaufhörlich an Heidi Bohleys Tür, weil viele nun erst recht den Aufruf unterschreiben wollten. Diese und andere Erfahrungen vermittelt Heidi Bohley gern, hält damit Zeitgeschichte lebendig.

Heidi Bohley war und ist eine Frau, die nicht polarisiert, sondern eine, die koordiniert. Seit 1995 gelingt ihr dieses Verknüpfen mit dem Verein Zeit-Geschichte(n) in Halle. Sie spricht von Erinnerungsarbeit, die ihr Verein leistet. Dafür braucht man bekanntlich einen langen Atem, den hat sie und es gibt viel zu erinnern. Die Themen dieses Vereins für erlebte Geschichte reichen vom Nationalsozialismus, Stalinismus, über den Sozialismus bis zu den Nachwirkungen der Diktaturen. Geschichte wird in ihrem Verein nicht als beschlossene Sache und schon gar nicht als geschlossene Akte betrachtet, sondern als Prozess, der bis in die Gegenwart wirksam und spürbar ist.

Irena Kukutz

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