Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
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Katrin Eigenfeld

geboren 1946 in Halle (Saale)

In Katrin Eigenfelds Familie gab es bereits eine Widerstandstradition aus der Zeit des Nationalsozialismus, die für ihr späteres Engagement richtungsweisend wurde. So war ihr Großvater Walter Gabriel einer der Mitbegründer der Bekennenden Kirche und als solcher von Januar 1941 bis Dezember 1942 im KZ Dachau inhaftiert.

Ihre eigene politische Aktivität begann im Jahre 1978. Damals fiel ihr auf, dass trotz der von der DDR offiziell propagierten internationalen Solidarität die nach dem Putsch in Chile in die DDR emigrierten Flüchtlinge zunehmenden Diskriminierungen ausgesetzt waren. Privat nahm sie Kontakt zu ihnen auf und organisierte Paketaktionen nach Chile. Daraufhin setzten bereits Überwachungen durch den Staatssicherheitsdienst ein und bis 1989 ließ die Stasi Katrin Eigenfeld nicht mehr aus den Augen.

Ihr nächstes Betätigungsfeld fand Katrin Eigenfeld im Bereich der Offenen Jugendarbeit in Halle-Neustadt, wo sie sich zunehmend politisierte und radikalisierte. Die Arbeit mit jugendlichen Aussteigern aus der Gesellschaft führte zu massiven Konflikten mit der Kirchenleitung auf der einen und der Stasi auf der anderen Seite. Als sie anlässlich des Weltfriedenstages 1983 einen Friedensmarsch plante, wurde dies Anlass zur Verhaftung. Am 31. August 1983 brachte man sie unter dem Vorwurf der „staatsfeindlichen Hetze“ zur Untersuchungshaft in den sogenannten Roten Ochsen in Halle. Am 11. November 1983 wurde sie entlassen, nicht zuletzt weil sich Martin Niemöller, Bischof Kurt Scharf, Petra Kelly und Otto Schily bei Erich Honecker für sie eingesetzt hatten und Amnesty International auf ihren Fall hinwies.

Nachdem die sozialdiakonische Jugendarbeit in Halle-Neustadt vom MfS weitestgehend zerschlagen worden war, fand Katrin Eigenfeld ihr neues politisches Betätigungsfeld bei den Frauen für den Frieden in Halle. Sie wurde eine der zentralen Figuren dieser Gruppe, innerhalb derer sie neue Erfahrungen sammelte, die ihr halfen, ihre Identität als Frau zu finden und gezielte Aktionen durchzuführen, wie z. B. die Aktion Fasten für das Leben, Frauenklagegottesdienste oder die Unterstützung von Frauen, deren Männer als Wehrdienstverweigerer inhaftiert waren. Im Dezember 1986 schloss sie sich der Initiative Frieden und Menschenrechte an.

Im Herbst 1989 gehörte Katrin Eigenfeld zu den Erstunterzeichnerinnen des Aufrufs des Neuen Forums und wurde daraufhin in der Nacht zum 7. Oktober 1989 erneut verhaftet. Bei den Montagsdemonstrationen in Halle stand sie in vorderster Reihe: Sie organisierte und hielt erste Reden. In den unterschiedlichsten Gremien, Initiativgruppen und Ausschüssen aktiv, kandidierte sie später zur Volkskammer- und zur Kommunalwahl für das Neue Forum. Von Mai 1990 bis Dezember 1994 gehörte sie als Vertreterin des Neuen Forums zur Fraktion Bündnis 90/Grüne im Stadtparlament Halle und arbeitete beim Unabhängigen Umweltinstitut in Halle. 1994 zog sie mit ihrem neuen Ehemann nach Rügen, wo sie bis heute lebt.

Ingrid Miethe

Entwurf des Gründungsaufrufes "Aufbruch 89 - Neues Forum" mit handschriftlichen Anmerkungen von Katrin Eigenfeld. |Entwurf des Gründungsaufrufes "Aufbruch 89 - Neues Forum" mit handschriftlichen Anmerkungen von Katrin Eigenfeld.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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