Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
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Margitta Kupler

geboren 1961 in Berlin

Margitta Kupler wurde am Tag des Mauerbaus geboren. Schon als junges Mädchen bestand sie darauf, eigene Entscheidungen zu treffen und sich nicht der Meinung des Kollektivs unterzuordnen. Sie besuchte kirchliche Veranstaltungen und fand zum christlichen Glauben. „Eine Form von Protest und eine Alternative, wenn man nicht staatskonform sein wollte.“

1978 kam es im Anschluss an die Feierlichkeiten anlässlich des Gründungstags der DDR auf dem Alexanderplatz zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei, in deren Verlauf auch ein Junge aus Margitta Kuplers Klasse verhaftet wurde. Die Stasi kam in die Schule, um Druck auf die Klasse auszuüben. Dem Jungen sollten keine Briefe ins Gefängnis geschrieben werden, es sollten keine Unterschriften gesammelt und bereits getätigte Unterschriften zurückgenommen werden. Angesichts dieser Ungerechtigkeit und der Machtlosigkeit, sich dagegen zu wehren, fühlte sie sich ohnmächtig. „Das war eine Sache, die in meinem Leben nicht vorgesehen war.“ Margitta Kupler nahm ihre Unterschrift nicht zurück und wurde der Schule verwiesen, angeblich weil sie einen West-Parka getragen hatte.

Nach der Geburt ihrer Kinder schickte sie diese nicht in staatliche Kindertagesstätten und nicht zu den Pionieren, der sozialistischen Massenorganisation für Kinder. „Man muss nicht alles mitmachen, man kann Akzente setzen, das eigene Leben betreffend.“ Angezogen von fortschrittlichen pädagogischen Konzepten in kirchlichen Einrichtungen ließ sie sich zur Gemeindehelferin ausbilden.

1989 nahm sie in Berlin-Weißensee eine Arbeit auf und organisierte dort Veranstaltungen zu Themen, die ihr wichtig waren: Wie stehen wir zur Bewaffnung, zur Armee, zum Kriegsspielzeug in Kindergärten? Im Herbst 1989 betreute sie in der Gethsemanekirche das Kontakttelefon gemeinsam mit Klaus, den sie später heiratete, und weiteren Mitstreitern. Hier liefen rund um die Uhr Informationen über die Proteste und staatlichen Übergriffe im ganzen Land zusammen und wurden weiterverteilt, u. a. an Korrespondenten, die eigentlich zur Berichterstattung über die Staatsfeierlichkeiten am 7. Oktober nach Ost-Berlin angereist waren. Den Mauerfall erlebte sie als Befreiung. Als eine der Ersten war sie im Dezember 1989 mit einem Fernsehteam von Elf 99 in der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit. Beim Zentralen Runden Tisch gehörte sie zur AG Sicherheit, die sich um die Auflösung des ostdeutschen Geheimdienstes kümmerte. Diese Arbeitsgruppe beschloss die Vernichtung elektronischer Daten, was Margitta Kupler trotz vehementen Widerspruchs nicht verhindern konnte.

Heute berät Margitta Kupler in Mecklenburg-Vorpommern junge Menschen bei ihrer Lebensplanung. Sie findet nicht, dass man sich dem Arbeitsmarkt anpassen muss. „Dieser Markt ist so instabil, da ist das einzig Stabile der Mensch, der weiß, was er will.“

Nanette Hojdyssek

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