Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
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Maria Nooke

geboren 1958 in Forst (Lausitz)

Maria Nooke hatte von ihren Eltern gelernt, für ihre Überzeugungen einzutreten. „Überlegt euch genau, was ihr sagt und was ihr tut, und dann steht dazu.“ Sie wurde kein Mitglied des sozialistischen Jugendverbandes FDJ, verweigerte die Jugendweihe und das Schießen während der vormilitärischen Ausbildung. Aufrecht als Christin wollte sie in diesem Staat leben.

Der berufliche Weg in die Kirche schien vorgezeichnet, auch wenn sie ihn ursprünglich nicht gehen wollte. Aber: „Hier konnte ich etwas tun, das meinen Interessen entsprach, ohne mich politisch unterzuordnen.“ Seit 1985 arbeitete sie in den Evangelischen Gemeinden ihrer Heimatstadt Forst mit Kindern und Jugendlichen und war Mitbegründerin des Ökumenischen Friedenskreises der Region.

1987 sollte in der Nähe von Forst ein Konzert mit Freya Klier und Stephan Krawczyk stattfinden. Da beide Künstler in der DDR vom Berufsverbot betroffen waren, konnten sie nur unter dem Schutz der Kirche auftreten. Schon am Ortsausgang von Forst kontrollierte die Staatssicherheit Ausweise, Autonummern der Konzertbesucher wurden notiert und auf den Gemeindekirchenrat übte man stundenlang Druck aus. In der vollen Kirche eröffnete der Generalsuperintendent dann den anwesenden Menschen, dass das Konzert nicht stattfinden könne, zu dieser Entscheidung sei er ohne Druck des Staates gekommen. Bei Maria Nooke paarte sich der Schock über diese Lüge und den Eingriff in kirchliche Angelegenheiten mit dem Gefühl der Ohnmacht. „Damit war ein Punkt überschritten. Das konnten wir uns nicht gefallen lassen.“

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Physiker Günter Nooke, und den Pfarrern Bodo Grützner und Michael Moogk gründete sie im Januar 1988 die oppositionelle Zeitschrift Aufbruch. Da der Staat solche Publikationen nicht duldete, wurde sie als innerkirchliches Informationsmaterial getarnt. Das Blatt, anfangs mit einer Auflage von fünfzig Stück erscheinend und vor allem über regionale Probleme wie die Zwangsumsiedlungen im Zuge der Braunkohlenförderung und die damit einhergehende Zerstörung von Natur und Umwelt informierend, bekam schnell eine DDR-weite Bedeutung. Der Aufbruch berichtete über das Verbot der Zeitschrift Sputnik, über die Verhaftungen in Berlin vor und während der Demonstrationen zu Ehren Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts und klärte über Demokratie und Menschenrechte auf. Das konnte auch die Staatssicherheit nicht verhindern, die die Redaktionsmitglieder aufmerksam beobachtete und mit zahlreichen Bußgeldern belegen ließ. Ein Verteiler, den die Zeitschrift nutzte, war die oppositionelle Umwelt-Bibliothek in Berlin.

Den Menschen Informationen geben, damit sie sich eine eigene Meinung bilden können, dafür arbeitet Maria Nooke noch immer – seit 2009 ist sie Stellvertretende Direktorin der Stiftung Berliner Mauer.

Nanette Hojdyssek

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