Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
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Markus Meckel

geboren 1952 in Müncheberg

Der Mann hatte etwas ganz Unerhörtes vor: Er wollte abseits der bestehenden Strukturen in der SED-Diktatur Politik machen. „Markus Meckel bat darum, dass er eine Übersicht darüber bekommt, welche Möglichkeiten es in der DDR gibt, eine Partei zu gründen“, meldete der IM „Ralf Schirmer“ an die Staatssicherheit. Meckel plane, „tatsächlich eine eigenständige Partei gegenüber den anderen“ zu gründen. Niemand anderes als Wolfgang Schnur, der scheinbar verständnisvolle Anwalt vieler DDR-Oppositioneller, verriet dieses Vorhaben. Politik machen wollte Markus Meckel schon früh. Er hatte im 20. Jahr der DDR die Oberschule verlassen müssen, weil er nicht bereit war sich anzupassen, machte sein Abitur an einer kirchlichen Schule und studierte im Anschluss Theologie. Als Pfarrer blieb er der Opposition, vor allem der Friedensbewegung, treu. Manche Vorgesetzten ertrugen den urprotestantischen Antrieb nur mit Zynismus; sein Landessuperintendent sah das Engagement kritisch: „Andere Landpastoren züchten Bienen, der Meckel macht seine Politik.“

Doch Markus Meckel beschränkte sich nicht auf Oppositionszirkel vor Ort; er dachte schon in den 1980er Jahren über eine DDR-weite Bewegung nach. Mit dem Aufruf zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei und deren Vollzug ausgerechnet am 40. Jahrestag des SED-Staates trieb er mit Martin Gutzeit und anderen die Provokation der Machthaber auf eine neue Stufe. Über mögliche Folgen war er sich bewusst: „Daran, dass die Stasi mich physisch angehen könnte, dachte ich nicht. Angst hatte ich um meine Familie. Es gab Erpressungsversuche, die Folgen für meine Familie androhten. Das ging mir sehr nahe.“ Doch im Herbst 1989 war das Honecker-System bereits so morsch, dass es Bürgerrechtlern und Massendemonstrationen nicht mehr standhielt. Nun konnte Meckel große Politik machen.

Als Repräsentant der in SPD umbenannten Partei trat Meckel im April 1990 als Außenminister in die einzige demokratisch legitimierte Regierung der DDR ein. Er startete mit dem denkbar höchsten Anspruch in sein Amt: Der überzeugte Friedensaktivist wollte Menschenrechte und Pazifismus in den Mittelpunkt rücken. Doch im Wettlauf zur Einheit 1990 hatte er damit keine Chance, da das Gebot der Stunde harte Realpolitik war. Vielen Teilnehmern an den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen erschien Meckels moralischer Ansatz als Störfaktor. Dass er nicht mehr seine Unterschrift unter das Abkommen setzen konnte, das aus zwei deutschen Staaten wieder Deutschland machte, lag aber an innenpolitischem Streit, in dessen Verlauf die SPD sich aus der Großen Koalition zurückzog.

Meckel blieb seinem Anspruch dennoch treu und arbeitete bis 2009 als SPD-Abgeordneter im Bundestag an einer moralisch fundierten Sicherheitspolitik. Das und sein Engagement für die Aufklärung der DDR-Vergangenheit, die er als Ratsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vorantreibt, sind mit zahlreichen deutschen und internationalen Orden gewürdigt worden.

Sven Felix Kellerhoff

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