Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel
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Uwe Schwabe

geboren 1962 in Leipzig

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, 4. Etage: Hier dient heute der ehemals (friedliche) Revolutionär und mittlerweile fast 50-jährige Familienvater Uwe Schwabe der deutsch-deutschen Geschichte. Der gelernte Schlosser hat als Sammlungssachbearbeiter seinen Traumjob gefunden. Das war nicht leicht, denn Schwabe fehlte die nötige Qualifikation. Für Schwabe sprachen und sprechen seine Meriten als Bürgerrechtler.

Der gebürtige Leipziger wuchs mit der im Dreischichtsystem tätigen Mutter und drei Geschwistern auf. In der Altbauwohnung in der Idastraße pflegte er zudem die bettlägerige Großmutter – harter Alltag ohne Murren. Mit dem Kindheitstraum, zur See fahren zu können, verpflichtete sich der junge Mann zu drei Jahren Volksarmee. Dem militärischen Disziplinierungssystem konnte, wollte er sich aber nicht unterordnen. Als der Tag der Entlassung gekommen war, verabschiedete ihn der Vorgesetzte: „Ich werde dafür sorgen, dass Sie in der Kohle landen.“ Was nicht geschah. Schwabe war jedoch für den grenzüberschreitenden Verkehr nicht mehr geeignet, wie er der Antwort auf die Seefahrerbewerbung entnehmen musste. Der Instandhaltungsmechaniker landete in der sozialistischen Produktion statt auf einem Dampfer gen Timbuktu. 1987 hatte er dann vom Lug und Trug der heroischen Erfolge an der Werkbank die Nase voll. Er kündigte, war arbeitslos, verdingte sich auf dem Weihnachtsmarkt, verkaufte Fleisch mit Brötchen und Glühwein, verdiente nicht schlecht, denn, so gesteht er heute ein, der eh schon gestreckte Glühwein wurde weiterverdünnt.

Der Spaß verflog, als er Pfleger im evangelischen Albert-Schweitzer-Haus wurde und sich unter nicht mehr vorstellbaren Bedingungen um alte Menschen kümmerte. In riesigen Schlafsälen siechten die Menschen dahin. Das vor allem sind Schwabes unvergessliche DDR-Erinnerungen. Auch Dank dieser Erfahrungen wurde der junge Mann zum Revolutionär. Der Nichtchrist hatte zudem die Junge Gemeinde der Nikolaikirche kennengelernt, war begeistert von deren Aktivitäten – und wurde selbst zu einem Motor der Veränderungen. Er nutzte die Möglichkeiten der geistigen Freiheit, die die Kirche ihm bot, ohne sich zum Glauben bekehren zu lassen, war aktiv in der AG Umweltschutz und gründete 1987, weil ihm die Umweltproblematik allein nicht genug war, die Initiativgruppe Leben.

1988 wurde der erste Pleiße-Gedenkumzug organisiert, 1989 anlässlich der staatlichen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration zum Gegenprotest aufgerufen und das DDR-einmalige Straßenmusikfestival veranstaltet. Uwe Schwabe stand immer mit in der ersten Reihe und wurde wegen des Verteilens von Flugblättern im Januar 1989 für zehn Tage inhaftiert. In der folgenden turbulenten Zeit setzte er sich fürs Neue Forum ein und gründete mit Gleichgesinnten das wichtige Erinnerungsarbeit leistende Archiv Bürgerbewegung, dessen Vorsitzender er heute ist.

Thomas Mayer

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