Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
Quelle: picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Das System bröckelt

Die Unbeweglichkeit der DDR-Führung provoziert auch diejenigen, die sich bisher dem Diktat der SED gebeugt haben. In Künstlerverbänden und an Universitäten werden Proteste laut. Blockparteien gehen auf Abstand zur SED, Massenorganisationen verlieren Mitglieder.

Walter Janka, Kommunist und Verleger, am 28. Oktober 1989 im Deutschen Theater in Ost-Berlin. Sichtbar bewegt richtet er das Wort an die Zuhörer. Eine Lesung beendet das jahrzehntelange Schweigen über das ihm angetane Unrecht.
Quelle: Archiv Deutsches Theater Berlin/Gisela Harich

Der Berliner Schriftstellerverband macht unter den staatskonformen Künstlervereinigungen den Anfang: Am 14. September 1989 tritt er mit einer kritischen Erklärung an die Öffentlichkeit. Wenige Tage danach folgt der Verband der Unterhaltungskünstler. Beide Organisationen kritisieren die Politik der SED und fordern Reformen. Fast alle Theater äußern Kritik. Einige stellen ihre Häuser dem öffentlichen Protest zur Verfügung.

In den Parteien, die bisher bei Wahlen einen Block mit der SED gebildet haben, beginnt ein Prozess der Ablösung von der Staatspartei: Sie wollen nicht länger ein Mehrparteiensystem simulieren. Den staatlichen Massenorganisationen, wie der Einheitsgewerkschaft FDGB oder dem Jugendverband FDJ, laufen die Mitglieder in Scharen weg. An Universitäten und Hochschulen fordern die Studierenden ungehinderten Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und unabhängige Studentenvertretungen.

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