Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
Quelle: picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Der 4. November 1989

Am 4. November 1989 findet auf dem Alexanderplatz die größte systemkritische Demonstration in der Geschichte der DDR statt. Die SED versucht hier, ihren Machtanspruch zu behaupten. Hunderttausende fordern dagegen demokratische Rechte und die Abschaffung der Einparteienherrschaft.

Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
Quelle: ullstein bild/Bildarchiv
Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
Quelle: Landesarchiv Berlin/Klaus Lehnartz
Am 4. November 1989 vor dem Palast der Republik. Das Gebäude beherbergt die Volkskammer, das Parlament der DDR. Während der Demonstration sind auf allen Etagen Angehörige der paramilitärischen Kampfgruppen verteilt. Sie sollen sich für einen Einsatz bereithalten, aber darauf achten, dass sie von den Demonstranten draußen nicht zu sehen sind. Ein Jahr später äußert sich einer der Kämpfer in der Wochenzeitung der Bürgerbewegungen die andere:**"Ich habe die ganze Zeit wie mit der Faust in der Tasche dagestanden, hab immer noch gedacht, da unten marschiert die Konterrevolution und dass das so eine Masse ist, hätte ich nie für möglich gehalten ... was für eine Scheiße ich alles gedacht und mitgemacht habe."** (31.10.1990)
Quelle: Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Bestand Klaus Mehner, Nr. 89_1104_POL-Demo_43
Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
Quelle: Landesarchiv Berlin/Klaus Lehnartz
„Es gibt noch genügend Kräfte, die keine Veränderungen wünschen, die eine neue Gesellschaft fürchten und auch zu fürchten haben.“ Christoph Hein (Schriftsteller)
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-051/Hubert Link
„Die vorhandenen Strukturen ... lassen Erneuerung nicht zu. Deshalb müssen sie zerstört werden.“ Jan-Josef Liefers (Schauspieler)
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-032/Hubert Link
„Ja, es stimmt, wir haben die Sprache wiedergefunden und die Welt kennt seitdem dieses verschlafene Land nicht wieder.“ Jens Reich (Neues Forum)
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-036/Hubert Link
„Und dies ist für mich der wichtigste Satz dieser letzten Wochen – der tausendfache Ruf: Wir sind das Volk!“ Christa Wolf (Schriftstellerin)
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-060/Hubert Link
„Wir müssen über die Frage der Macht nachdenken und darüber, wie Macht kontrolliert werden kann.“ Marianne Birthler (Initiative Frieden und Menschenrechte)
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-043/Hubert Link
„Egon Krenz ... verdient ... doch eine Chance und das Maß an Vertrauen, das zur Ausübung seiner Funktion benötigt wird.“ Gregor Gysi (SED)
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-042/Hubert Link
Die Gründungsmitglieder des Neuen Forums Bärbel Bohley (Mitte) und Jutta Seidel (r.) während der Demonstration am 4. November 1989.
Quelle: Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Bestand Klaus Mehner, Nr. 89_1104_POL-Demo_53
Alle Ostberliner Theater entsenden Vertreter zur Planung einer Großdemonstration. Diese Vorbereitungsgruppe führt Verhandlungen mit der Polizei und stellt die Rednerliste zusammen. Der Schauspieler Wolfgang Holz vom Berliner Ensemble meldet die Demonstration am 17. Oktober 1989 an. Die SED versucht gemeinsam mit Kulturfunktionären, die Vorbereitungen zur Demonstration in ihrem Sinne zu kontrollieren. Holz informiert in einem Brief vom 2. November über einen solchen Versuch.
Quelle: imago stock & people/Sommer
Am meisten befürchtet die SED ein Abweichen des Demonstrationszuges in Richtung Berliner Mauer. Diesen Weg riegeln bewaffnete Sicherheitskräfte ab. Entlang der gesamten Demonstrationsstrecke werden Beobachtungspunkte eingerichtet. Am 4. November 1989 selbst kann die Staatssicherheit in einem Bericht des Zentralen Operativstabs nur noch den fortschreitenden Machtverlust registrieren: „10.00 Uhr: An der Spitze des Demonstrationszuges wird eine Kabeltrommel mitgeführt. Aufschrift: Volkswalze, das Rad der Geschichte kann man nicht zurückdrehen.“
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter
Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Die Initiativgruppe des Neuen Forums beschließt, in Ost-Berlin zu einer großen Demonstration aufzurufen. Sie wendet sich an die Theater und bittet um Unterstützung. Jutta Seidel vom Neuen Forum schreibt eine entsprechende Nachricht an die bekannte Schauspielerin Jutta Wachowiak (oben, am Transparent 3. v. l.) vom Deutschen Theater.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Sympathiebekundung für Wolf Biermann an einer Statue. Bärbel Bohley vom Neuen Forum hat Biermann eingeladen, auf der Demonstration zu singen. Das sorgt für Aufregung, gilt doch der 1976 aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher als Staatsfeind Nummer eins. Am 4. November 1989 wird er am Grenzübergang zurückgewiesen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Am meisten befürchtet die SED ein Abweichen des Demonstrationszuges in Richtung Berliner Mauer. Diesen Weg riegeln bewaffnete Sicherheitskräfte ab. Entlang der gesamten Demonstrationsstrecke werden Beobachtungspunkte eingerichtet. Am 4. November 1989 selbst kann die Staatssicherheit in einem Bericht des Zentralen Operativstabs nur noch den fortschreitenden Machtverlust registrieren: „10.00 Uhr: An der Spitze des Demonstrationszuges wird eine Kabeltrommel mitgeführt. Aufschrift: Volkswalze, das Rad der Geschichte kann man nicht zurückdrehen.
Quelle: Rolf Zöllner

Berliner Schauspieler und Künstler organisieren auf Initiative des Neuen Forums eine Großdemonstration. Die SED-Führung erteilt die Genehmigung – allerdings mit der Absicht, diese Veranstaltung für ihre Zwecke zu nutzen. Als größte Gefahr betrachtet sie ein Abweichen des Demonstrationszuges von der vorgesehenen Route. Deshalb lässt sie den Weg Richtung Mauer durch bewaffnete Sicherheitskräfte absperren.

An der Demonstration nehmen viele Menschen aus anderen Städten teil. Auf der Tribüne sprechen Künstler, Bürgerrechtler und Angehörige der staatlichen Führungselite. Mit den Worten „Wir nehmen uns die Freiheit, die uns zusteht“, spricht der Vertreter des Neuen Forums aus, was viele denken. Die meisten Redner der SED werden ausgepfiffen. Die Transparente der Demonstranten zeigen deutlich: Es geht um die Demokratisierung der DDR. Diese Partei aber wollen sie nicht mehr.

Die Initiativgruppe des Neuen Forums beschließt, in Ost-Berlin zu einer großen Demonstration aufzurufen. Sie wendet sich an die Theater und bittet um Unterstützung. Jutta Seidel vom Neuen Forum schreibt eine entsprechende Nachricht an die bekannte Schauspielerin Jutta Wachowiak vom Deutschen Theater.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Initiativgruppe des Neuen Forums beschließt, in Ost-Berlin zu einer großen Demonstration aufzurufen. Sie wendet sich an die Theater und bittet um Unterstützung. Jutta Seidel vom Neuen Forum schreibt eine entsprechende Nachricht an die bekannte Schauspielerin Jutta Wachowiak vom Deutschen Theater.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Alle Ostberliner Theater entsenden Vertreter zur Planung einer Großdemonstration. Diese Vorbereitungsgruppe führt Verhandlungen mit der Polizei und stellt die Rednerliste zusammen. Der Schauspieler Wolfgang Holz vom Berliner Ensemble meldet die Demonstration am 17. Oktober 1989 an. Die SED versucht gemeinsam mit Kulturfunktionären, die Vorbereitungen zur Demonstration in ihrem Sinne zu kontrollieren. Holz informiert in einem Brief vom 2. November über einen solchen Versuch.
Quelle: Archiv Deutsches Theater Berlin
Die westdeutsche BILD vom 6. November 1989 titelt: Revolution.
Quelle: Bild Zeitung, 06.11.1989
4. November 1989. Telegramm des Staats- und Parteichefs Egon Krenz an führende SED-Funktionäre nach der Demonstration in Ost-Berlin.
Quelle: Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
4. November 1989. Telegramm des Staats- und Parteichefs Egon Krenz an führende SED-Funktionäre nach der Demonstration in Ost-Berlin.
Quelle: Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Ein Teilnehmer der Berliner Demonstration aus Aschersleben schreibt an die Organisatoren der Veranstaltung. „Es war ein großer Tag, ... die Gesichter blickten frei“, teilt er seine Begeisterung mit und bittet um die Dokumentation der historischen Ereignisse. Auszug aus dem Brief vom 7. November 1989.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Ein Teilnehmer der Berliner Demonstration aus Aschersleben schreibt an die Organisatoren der Veranstaltung. „Es war ein großer Tag, ... die Gesichter blickten frei“, teilt er seine Begeisterung mit und bittet um die Dokumentation der historischen Ereignisse. Auszug aus dem Brief vom 7. November 1989.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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