Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
Quelle: picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Die SED rettet ihre Existenz

Die Ignoranz und die Hinhaltetaktik der SED-Führung im Herbst 1989 verbittern viele Parteimitglieder und lassen sie aufbegehren. Mit einer Demonstration am 8. November 1989 vor dem Gebäude des höchsten Gremiums der Partei, dem Zentralkomitee, zeigen sie ihre Empörung in aller Öffentlichkeit. Sie verweigern die Gefolgschaft und fordern einen Parteitag, auf dem über die Zukunft der SED entschieden werden soll.

Bis Mitte November müssen alle Bezirkssekretäre und ein Großteil der Kreissekretäre, oft auf Druck der eigenen Parteibasis, ihre Posten aufgeben. Der Mitgliederschwund ist dramatisch. Am 3. Dezember 1989 tritt die gesamte Parteiführung zurück. Untersuchungskommissionen werden gebildet und gegen einige ehemalige Amtsinhaber Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs und Korruption eingeleitet.

Auf dem Sonderparteitag Mitte Dezember wird eine neue Führung gewählt und die Partei in SED-PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) umbenannt. Nur wenige Mitglieder fordern die völlige Auflösung der Organisation. In diesem Fall hätte die Partei ihr großes Vermögen und vor allem sofort ihre Macht verloren.

Demonstration am 3. Dezember 1989 in Ost-Berlin. Zum wiederholten Male protestieren SED-Mitglieder vor dem Gebäude des Zentralkomitees der SED. Sie fordern eine radikale Änderung der Politik und eine Reformierung der Partei.
Quelle: ullstein bild/Bildarchiv
Etwa hunderttausend SED-Genossen nehmen am 10. November 1989 an einer Kundgebung der Berliner Bezirksleitung teil. Das zwei Tage vorher personell veränderte Politbüro stellt sich vor. Dessen Auftritt kann die Zweifel der Parteibasis nicht ausräumen – zumal in der vorangegangenen Nacht die Mauer gefallen ist.
Quelle: imago stock & people/Schulze
Sonderparteitag der SED am 8. Dezember 1989 in Ost-Berlin. Parteivorsitzender wird Gregor Gysi (Mitte). Die Delegierten sprechen sich gegen eine Auflösung und Neugründung der Partei aus und retten damit ihr Vermögen. Sie heißt jetzt SED-PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus). Im Februar 1990 wird die Kosmetik fortgesetzt: Es entfällt das Kürzel SED.
Quelle: ullstein bild/Bildarchiv
Die Gemütslage vieler SED-Mitglieder im Dezember 1989.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowski
Demonstration der SED-PDS am 3. Januar 1990 am Ehrenmal in Berlin-Treptow, wo Ende Dezember 1989 rechtsradikale Schmierereien entdeckt worden waren. Die SED-PDS versucht, dies zu nutzen und eine Einheitsfront gegen rechts mit sich selbst an der Spitze zu bilden.
Quelle: Bundesarchiv/183-1990-0105-300/Ralf Hirschberger
Aufbegehren an der Basis: Am 30. November 1989 sprechen etwa 150 SED-Mitglieder, die sich in Berlin zu einer Plattform zusammengeschlossen haben, der Parteiführung das Misstrauen aus. Sie fordern eine kompromisslose Erneuerung der SED.
Quelle: Privatarchiv Bernd Florath
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