Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Elisabethkirche

Die Elisabethkirche zählte im Vorfeld der Friedlichen Revolution zu jenen Gotteshäusern in der DDR, die unangepassten Jugendlichen, politisch Andersdenkenden, kritischen Künstlern und Oppositionellen Schutz boten. Einige von ihnen trafen sich hier seit Januar 1989 in einer selbst verwalteten kirchlichen Gemeinde, der Kirche von Unten. Die Gruppe gehörte zum DDR-weiten Netzwerk der evangelischen Offenen Arbeit, deren Mitstreiter maßgeblich an den Protestdemonstrationen der Revolution beteiligt waren sowie in neuen Bürgerbewegungen, Parteien und Initiativen mitwirkten.

Am 7. Mai 1989 koordinierten Oppositionelle in den Räumen der Kirche jene Aktivitäten, die zur Aufdeckung der Wahlfälschung in der DDR führten.

Im Herbst 1989 nutzten neu gegründete oppositionelle Bürgerbewegungen und Parteien die Gemeinderäume. So wurde am 2. Oktober 1989 der Aufruf Böhlener Plattform diskutiert. In der Folge bereitete eine Koordinierungsgruppe die Gründung der Bürgerbewegung Vereinigte Linke vor, die eine demokratische, freiheitliche und sozialistische DDR anstrebte.

Im Vorderhaus tagte nach der Gründung am 7. Oktober 1989 regelmäßig der Vorstand der noch illegalen Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP). Am 3. Dezember 1989 bekannte sich die SDP zur Einheit der deutschen Nation und forderte schnelle demokratische Wahlen in der DDR.

Während des Evangelischen Kirchentages 1987 trat die Kirche von Unten erstmals öffentlich auf und forderte Offenheit und Transparenz von Kirche und Staat.
Quelle: Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Klaus Mehner, 87_0628_REl_EvKT_Ende_03
1988 immer noch ohne eigene Räume, kündigte die oppositionelle Kirche von Unten eine Veranstaltung in der benachbarten Sophienkirche an.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Auf dem Gelände der Elisabethkirche protestierten Jugendliche im Juni 1989 mit einem mehrtägigen Trommeln gegen das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking.
Quelle: BStU, Ast. Bln. Abt. XX 4917
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