Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Gethsemanekirche

Im Herbst 1989 wurde die Gethsemanekirche zum wichtigsten Informationszentrum der DDR, zu einem Zentrum des Widerstandes gegen die kommunistische Diktatur und einem Brennpunkt der Revolution. Ab Anfang Oktober forderten hier junge Menschen mit einer Mahnwache die Freilassung von politischen Gefangenen. Hunderte Kerzen brannten direkt vor der Kirche. Sie wurden zum Symbol des friedlichen Protestes.

Mit einem Kontakttelefon trugen Oppositionelle Informationen aus der ganzen DDR über Demonstrationen, Verhaftungen und staatliche Übergriffe zusammen. Gedächtnisprotokolle legten Zeugnis vom brutalen Vorgehen der Staatsmacht ab. 

Allabendlich fanden Gottesdienste sowie Informationsveranstaltungen statt. Zehntausende Flugblätter wurden verteilt, und Oppositionsgruppen konnten ihre Forderungen und Ziele vorstellen. Tausende Kirchenbesucher diskutierten die Lage im Land, die internationalen Medien sendeten Berichte und Bilder von hier in die Welt und vor allem in die DDR.

Am 7. und 8. Oktober wurden rund um die Kirche Demonstranten von Sicherheitskräften eingekesselt, inhaftiert und misshandelt. Es kam zu etwa 1 500 Festnahmen. Anwohner solidarisierten sich mit den Verhafteten, indem sie Kerzen in die Fenster stellten. Das Entsetzen über das Ausmaß staatlicher Gewalt gegen friedlich protestierende Menschen erfasste weite Bevölkerungsteile und wurde so selbst zu einer Triebfeder der Revolution.

Turm der Ostberliner Gethsemanekirche mit Transparent zur Mahnwache im Oktober 1989.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert
In den ersten Oktobertagen 1989 wird die Gethsemanekirche zum Informations- und Medienzentrum. Korrespondenten aus aller Welt, ursprünglich angereist zu den Staatsfeierlichkeiten, berichten nun über eine Revolution.
Quelle: Rolf Zöllner
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