Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Görlitzer Straße

Das Neue Deutschland, die Zeitung der DDR-Staatsführung, konstatierte im Januar 1988: „Die Schaltzentrale für die technische und finanzielle Ausrüstung ‚regimefeindlicher Gruppen‘ in der DDR operiert von Westberlin aus. (...) Zu den ‚Ausrüstern‘ einer von westlichen Medien und interessierten politischen Kreisen so heißersehnten ‚DDR-Opposition‘ gehört ein gewisser Roland Jahn, 1000 Berlin 36, Görlitzer Straße.“ 

Vor 1989 waren zahlreiche Oppositionelle aus der DDR ausgereist oder zwangsweise ausgebürgert worden. Einige siedelten sich im Kreuzberger Wrangelkiez an und engagierten sich im Westen weiter für demokratische Veränderungen in Ostdeutschland. 

Sie organisierten über die Grenze hinweg einen heimlichen Informationsaustausch zwischen Ost- und West-Berlin und sorgten für Nachschub dringend benötigter Materialien zur Herstellung von Untergrundzeitungen. Mithilfe westdeutscher Diplomaten und Journalisten sowie Politiker, vor allem von den Grünen, wurden verbotene Bücher und Zeitungen in die DDR geschmuggelt. 

Den umgekehrten Weg über die Grenze in den Westen nahmen systemkritische Schriften und Filme, die in den Westmedien veröffentlicht wurden. Neben dem 1977 ausgebürgerten Schriftsteller Jürgen Fuchs stand der 1983 aus der DDR gewaltsam abgeschobene Oppositionelle Roland Jahn im Zentrum solcher Aktivitäten.

Die ausgebürgerten DDR-Kritiker Frank Rub (l.) und Roland Jahn (r.) 1986 an der Westseite der Berliner Mauer am Görlitzer Ufer.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Der Arm des gefürchteten DDR-Staatssicherheitsdienstes reichte bis über die Mauer. Observationsfoto des Wohnhauses von Roland Jahn in der Görlitzer Straße.
Quelle: BStU
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