Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Presseamt beim Ministerrat der DDR

Hunderttausende demonstrierten 1989 für demokratische Veränderungen in der DDR, Zehntausende flüchteten. Reisefreiheit war eine der zentralen Forderungen. Seit dem Bau der Berliner Mauer 1961 waren die Ostdeutschen im eigenen Land eingesperrt. Im November 1989 musste die Führung der kommunistischen Staatspartei SED erkennen, dass die Situation unhaltbar geworden war.

Am späten Nachmittag des 9. November 1989 begann in der Mohrenstraße 36/37 jene Pressekonferenz, die dem Mauerfall voranging. Die SED-Führung wollte ein neues Reisegesetz ankündigen, um die anhaltende Massenflucht und die Proteste einzudämmen. Eher beiläufig gab Regierungsvertreter Günter Schabowski vor den internationalen Medien eine neue Reiseregelung bekannt. Die Pressekonferenz wurde im DDR-Fernsehen live übertragen. Das Westfernsehen meldete in den Hauptnachrichten eine Stunde später: „DDR öffnet Grenze“.

Daraufhin fanden sich Ostberliner an den innerstädtischen Grenzübergangsstellen der Berliner Mauer ein. Es wurden immer mehr. Sie drängten das überraschte Grenzpersonal, die neu verkündeten Reisemöglichkeiten sofort zu gewähren, und erzwangen noch am selben Abend die Öffnung der Mauer. Zuerst wurde der Grenzübergang Bornholmer Straße freigegeben, bis Mitternacht alle weiteren Grenzübergänge der Stadt. Nach 28 Jahren waren jene Grenzen überwunden, die Berlin, Deutschland und Europa teilten.

SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (im Podium 2. v. r.) verkündete am 9. November 1989 eine neue Reiseregelung. Mit der neuen Regelung war keineswegs für alle Ostdeutschen eine prinzipielle Freizügigkeit bei Reisen in den Westen vorgesehen, denn über die Erteilung von Visa, die ja genehmigt werden mussten, wollte sich die SED weiterhin die Entscheidungshoheit sichern.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1109-030/Thomas Lehmann
Das Westfernsehen meldete 20.00 Uhr: „DDR öffnet Grenze“. Ostberliner strömten an die Grenzübergangsstellen der Berliner Mauer und verlangten deren sofortige Öffnung.
Quelle: ARD/Tagesschau
Grenzübergang Bornholmer Straße am Abend des 9. November 1989: Der Schlagbaum wurde beiseitegeschoben, alle Kontrollen wurden eingestellt.
Quelle: Andreas Schoelzel
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