Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Ruschestraße

Am 8. Februar 1950, vier Monate nach Gründung der DDR, wurde das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gebildet. Seine Hauptaufgabe bestand darin, mit allen Mitteln die Herrschaft der kommunistischen Staatspartei SED zu sichern. Jeder Widerspruch sollte im Keim erstickt werden.

Nach seiner Gründung residierte das MfS zunächst in den Räumen des Lichtenberger Finanzamtes an der Ecke Normannen-/Magdalenenstraße. Von hier aus breitete es sich im Laufe der Jahre bis an die Frankfurter Allee und zur Ruschestraße aus. Gärten, Wohnhäuser und Straßen verschwanden aus dem Stadtbild. 1989 beschäftigte die SED in ihrer Geheimpolizei mehr als 90.000 Hauptamtliche Mitarbeiter und mehr als 180.000 Spitzel, um die Bevölkerung zu beobachten und politische Gegner zu verfolgen.

Während der Friedlichen Revolution wurden ab 4. Dezember 1989 MfS-Dienststellen in der ganzen DDR durch Demonstranten besetzt. Am 15. Januar 1990 drangen schließlich Tausende in die Berliner MfS-Zentrale ein. Bürgerkomitees versuchten die Auflösung des Geheimdienstes zu kontrollieren. Doch die gesicherten Aktenberge sollten verschlossen bleiben. Proteste im September 1990 erzwangen schließlich, dass zum ersten Mal die Akten einer Geheimpolizei geöffnet wurden. Heute wird im wiedervereinigten Deutschland der Zugang zu den Unterlagen des MfS nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geregelt.

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