Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Teutoburger Platz

Wie vielerorts in der DDR verfielen auch die Altbauten rund um den Teutoburger Platz. In die heruntergekommenen Wohnungen zogen – oft illegal – immer häufiger junge Menschen. Eine vielschichtige Subkultur entstand. Zahlreiche Künstler siedelten sich an, in privaten Räumen fanden Lesungen und Ausstellungen statt. Hier lag eine der Keimzellen für den Mythos von der Prenzlauer-Berg-Szene. 

Unter denen, die hier lebten, befanden sich auch Regimegegner, die trotz Verfolgung durch die Staatssicherheit Kritik am SED-Staat übten. Gesprächskreise entstanden. Aus diesen gingen oppositionelle Gruppen hervor, die Menschenrechtsverletzungen öffentlich verurteilten. In der Fehrbelliner Straße 7 wohnten Oppositionelle, die 1986 die Umwelt-Bibliothek in der Zionsgemeinde gründeten, es probten Punk-Bands wie Feeling B. In Hausnummer 89 wurde 1987 mehrfach die Untergrundzeitschrift grenzfall verfasst.

Direkt am Teutoburger Platz traf sich im Atelier von Bärbel Bohley ab 1986 die Initiative Frieden und Menschenrechte, eine der wichtigsten Oppositionsgruppen. 

Mit der Gründung der größten Bürgerbewegung der DDR, dem Neuen Forum, dessen Mitinitiatorin Bärbel Bohley war, rückte ihr Haus im Herbst 1989 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Auf dem Hof wurde am 9. November 1989 die Legalisierung des Neuen Forums bekannt gegeben. Dafür hatten Tausende Menschen in der ganzen DDR wochenlang demonstriert.

Pressekonferenz der Bürgerbewegung Neues Forum am 9. November 1989 auf dem Hof des Wohnhauses von Gründungsmitglied Bärbel Bohley (Bildmitte).
Quelle: Andreas Schoelzel
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