Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Zionskirche

Die Zionskirche war ein zentraler Ort des revolutionären Herbstes 1989. Im Keller des Pfarrhauses wurden von der Umwelt-Bibliothek Flugblätter und Untergrundzeitschriften gedruckt und in Auflagen von mehreren Tausend Exemplaren im ganzen Land verbreitet. Die einzige freie Druckerei der DDR produzierte in jenen Tagen rund um die Uhr Informationsschriften über die aktuelle Lage im Land sowie Erklärungen und Aufrufe von oppositionellen Initiativen.

Bereits 1987 versuchte die kommunistische Staatsführung das Oppositionszentrum zu beseitigen. Erstmals seit den 1950er-Jahren drang der SED-Staat dazu in kirchliche Räume ein. Geheimpolizei und Staatsanwalt stürmten in die Umwelt-Bibliothek, beschlagnahmten Drucktechnik und verhafteten Mitarbeiter der Gruppe. Eine Mahnwache an der Zionskirche sowie landesweite und internationale Proteste ließen die Vorgänge zu einem medialen Ereignis werden. Westdeutsche Medien verbreiteten die Nachrichten und Bilder. Die DDR-Führung sah sich daraufhin gezwungen, die Festgenommenen freizulassen. Von dieser Niederlage konnte sich die SED-Diktatur nie mehr ganz erholen.

Dass es gelungen war, die Machthaber zum Einlenken zu zwingen, stärkte das Selbstbewusstsein der DDR-Opposition. In der Revolution von 1989 bewährten sich die landesweiten oppositionellen Netzwerke, die Arbeit der Unterstützer im Westen und die heimlichen Kommunikationswege zwischen Ost und West.

Oppositionelle Informationsblätter aus dem Jahr 1989, die in der Umwelt-Bibliothek in Auflagen von jeweils mehreren Tausend Exemplaren vervielfältigt wurden.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert
Am Morgen des 27. November 1987 bringen Teilnehmer der Mahnwache am Kirchturm der Zionskirche ein weithin sichtbares Transparent an. Sie fordern die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Umwelt-Bibliothek. Polizei und Staatssicherheit rufen die Feuerwehr, die das Transparent entfernt.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke
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