Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
Quelle: picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Die Wende von Egon Krenz

Am 18. Oktober 1989 wird der SED-Funktionär Egon Krenz als Nachfolger des Staats- und Parteichefs Erich Honecker präsentiert. Krenz kündigt einen Richtungswechsel der Staatspartei an. Er stellt Reformschritte in Aussicht und macht damit Zugeständnisse an die Demonstranten. Die SED-Führung will mit einer "Dialogpolitik" auf politische Mittel und nicht mehr auf Gewalt setzen. Sie hofft, dadurch verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen und ihre Macht wieder zu stabilisieren.

Krenz gilt in der Bevölkerung aber als Kronprinz Honeckers und als völlig ungeeignet, eine echte Demokratisierung der DDR in Gang zu bringen. Seine Mitverantwortung für Wahlbetrug und Gewalt gegen Demonstranten ist bekannt und seine Zustimmung zur blutigen Niederschlagung friedlicher Studentenproteste in Peking im Juni 1989 ist nicht vergessen.

Dennoch haben die Zugeständnisse und der Verzicht auf Gewalt eine konkrete Auswirkung: Bis zu diesem Zeitpunkt schien die Staatsmacht unverwundbar. Nun zeigt sie sich instabil und angreifbar. Im ganzen Land demonstrieren immer mehr Menschen.

Die SED wendet sich an die Bevölkerung. Halbherzige Eingeständnisse sollen Veränderungen vortäuschen. Die Staatspartei beharrt jedoch auf ihrem Machtmonopol. Berliner Zeitung, das damalige Ostberliner SED-Organ, vom 12. Oktober 1989.
Quelle: Berliner Zeitung, 12. Oktober 1989
Der neue Staats- und Parteichef Egon Krenz kündigt am 18. Oktober 1989 auf einer Tagung der SED-Führung einen Strategiewechsel der Staatspartei an mit dem Ziel, deren Macht wieder zu festigen.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1018-037/Rainer Mittelstädt
Nachdem Egon Krenz in das Amt des Staatsratsvorsitzenden eingesetzt wurde, demonstrieren am 24. Oktober 1989 mehrere Tausend überwiegend junge Ostberliner in der Innenstadt.
Quelle: Der Spiegel, 30.10.1989
Montagsdemonstrationen in Leipzig am 24. Oktober 1989. Nach dem Machtantritt von Egon Krenz – er wird in eine Reihe mit den kommunistischen Diktatoren Nicolae Ceausescu (Rumänien) und Milos Jakes (Tschechoslowakei) gestellt – steigt die Anzahl der Demonstrationen und ihrer Teilnehmer rasant an. Vom 16. bis zum 22. Oktober sind es 24 Demonstrationen mit insgesamt 140.000 Teilnehmern, vom 23. bis zum 30. Oktober schon 140 Demonstrationen mit 540.000 Teilnehmern in vielen Orten der DDR.
Quelle: AP-Photo
Montagsdemonstrationen in Leipzig am 6. November 1989. Nach dem Machtantritt von Egon Krenz – er wird in eine Reihe mit den kommunistischen Diktatoren Nicolae Ceausescu (Rumänien) und Milos Jakes (Tschechoslowakei) gestellt – steigt die Anzahl der Demonstrationen und ihrer Teilnehmer rasant an. Vom 16. bis zum 22. Oktober sind es 24 Demonstrationen mit insgesamt 140.000 Teilnehmern, vom 23. bis zum 30. Oktober schon 140 Demonstrationen mit 540.000 Teilnehmern in vielen Orten der DDR.
Quelle: picture-alliance/dpa/ Lehtikuva Oy
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