Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
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Flucht über Prag

Die erste Ausreiseerlaubnis für etwa sechstausend DDR-Flüchtlinge verkündet Hans-Dietrich Genscher am Abend des 30. September 1989 vom Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Bereits vier Tage später warten wieder mehrere Tausend Menschen vor der Botschaft, um in den Westen zu gelangen.
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Mutter und Tochter verabschieden sich am Zaun der bundesdeutschen Botschaft in Prag am 3. September 1989.
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Tschechische Polizisten versuchen, zum Teil mit Gewalt, Ostdeutsche am Überwinden des Botschaftszaunes zu hindern.
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Improvisierte Unterkünfte auf dem Gelände der Botschaft in Prag im September 1989.
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Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (r.) und Kanzleramtsminister Rudolf Seiters (l.) informieren am 30. September 1989 die Presse über die Aufnahme der Flüchtlinge in der Bundesrepublik.
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Im Oktober 1989 überführt der Staatssicherheitsdienst der DDR die von Flüchtlingen zurückgelassenen Autos wieder nach Ostdeutschland.
Quelle: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

In den Sommerferien 1989 suchen einige Hundert Ostdeutsche Zuflucht in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag. Eine Reise in das kommunistische Nachbarland ist unkompliziert, auch die Weiterfahrt nach Ungarn. Als die Kontrollen an der tschechoslowakisch-ungarischen Grenze strenger werden, steigt die Zahl der Botschaftsbesetzer in Prag auf mehrere Tausend.

Zahlreiche Gespräche auf diplomatischer Ebene bringen schließlich einen Kompromiss: Die Geflüchteten dürfen in die Bundesrepublik ausreisen. Sie müssen aber über DDR-Territorium fahren, um offiziell ausgewiesen werden zu können. In der Nacht des 30. September fahren sie mit Sonderzügen in die Bundesrepublik. Kaum sind die Bilder der jubelnden Flüchtlinge in der Welt, suchen erneut Tausende Zuflucht in der Prager Vertretung der Bundesrepublik. Sie gelangen in den folgenden Tagen auf demselben Weg in den Westen.

Die DDR-Führung schließt daraufhin am 3. Oktober 1989 die Grenze zur Tschechoslowakei und hält die Ostdeutschen vollends im eigenen Land gefangen. Doch die kritischen Stimmen in der DDR-Bevölkerung werden zunehmend lauter. Sie fordern öffentlich Reformen sowie demokratische Rechte und Freiheiten.

Über die Ausreise berichtet am 2. Oktober 1989 die SED-Parteizeitung Neues Deutschland. Über einen Kommentar, den Staats- und Parteichef Erich Honecker zu verantworten hat, entrüsten sich weite Teile der DDR-Bevölkerung.
Quelle: Neues Deutschland, 02.10.1989
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