Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
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Der Runde Tisch und die Regierung

Am 7. November 1989 tritt die Regierung der DDR zurück. Zehn Tage später wird ein neues Kabinett unter Ministerpräsident Hans Modrow eingesetzt. Auch in dieser Regierung stellt die SED noch die Mehrheit der Minister. Eine der ersten Amtshandlungen von Modrow besteht darin, die Staatssicherheit umzubenennen und ihre Verkleinerung anzukündigen.

Genau einen Monat später tagt der Zentrale Runde Tisch zum ersten Mal. Initiiert haben ihn Angehörige der oppositionellen Gruppen, die mit der Staatspartei in Verhandlungen treten wollen. Gegen die Regierungspläne beschließt der Runde Tisch die vollständige Auflösung der Staatssicherheit. Mitte Dezember startet die Regierung einen erneuten Versuch, die wichtigste Machtstütze der SED zu retten. Nun sollen zwei neue Geheimdienste gebildet werden: ein Verfassungsschutz und ein Auslandsgeheimdienst.

Dieser Plan wird verhindert. Die Vertreter der Opposition am Zentralen Runden Tisch stellen ein Ultimatum und die Bevölkerung erhöht mit Demonstrationen und Streiks den Druck. Modrow gibt im Januar 1990 sein Vorhaben auf. Er bietet den oppositionellen Bürgerbewegungen und Parteien an, Vertreter in die Regierung zu entsenden.

Nachdem am 7. November 1989 der Ministerrat der DDR zurückgetreten ist, kommt am 18. November die von Hans Modrow (vordere Reihe, 6. v. r.) neu gebildete Regierung zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Von 28 Ministern gehören 16 der SED an, die anderen den Blockparteien, den alten Systemstützen der SED.
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Die oppositionelle Gewerkschaft Solidarnosc in Polen zwingt am 6. Februar 1989 die erste Regierung eines Ostblockstaates an einen Runden Tisch. Danach wird der Runde Tisch in fast allen osteuropäischen Staaten zum Verhandlungsinstrument zwischen oppositionellen Bewegungen und kommunistischen Machthabern.
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Erste Sitzung des Zentralen Runden Tisches am 7. Dezember 1989 in Ost-Berlin. Von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet, führen die neu gegründeten Bewegungen und Parteien vier Monate lang zähe Verhandlungen mit den Vertretern des alten Machtapparates. Der Zentrale Runde Tisch schafft wesentliche Voraussetzungen für die Demokratisierung der DDR.
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Die ersten drei Sitzungen des Zentralen Runden Tisches im Dezember 1989 finden im Dietrich-Bonhoeffer-Haus statt. Die Opposition will den Protest von der Straße an den Verhandlungstisch bringen, um ihm zum Erfolg zu verhelfen. Vertreter der Kirchen moderieren die Verhandlungen.
Quelle: Rolf Zöllner
Während am 11. Januar 1990 im Palast der Republik die Volkskammer tagt, demonstrieren vor dem Gebäude Berliner Bauarbeiter. Sie unterstützen die Forderung der neu gegründeten Bewegungen und Parteien am Zentralen Runden Tisch, den Staatssicherheitsdienst vollständig aufzulösen.
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Auch am zweiten Sitzungstag der Volkskammer demonstrieren Menschen vor dem Tagungsort, dem Palast der Republik. Diesmal sind es die Berliner Taxifahrer, die mehrmals laut hupend das Gebäude umrunden, während drinnen Hans Modrow sein Ansinnen aufgibt, neue Geheimdienste zu bilden.
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Den Versuch der Modrow-Regierung, die Staatssicherheit im neuen Gewand wieder zu etablieren, lehnt die Bevölkerung vehement ab. Vertreter der neu gegründeten Bewegungen und Parteien stellen Hans Modrow am 8. Januar 1990 ein Ultimatum. Er soll sich am Zentralen Runden Tisch verantworten und sein Vorhaben aufgeben.
Quelle: Rolf Zöllner
Am 15. Januar 1990 erscheint Ministerpräsident Hans Modrow (r.) am Zentralen Runden Tisch und erstattet Bericht. Er lädt die Opposition ein, sich an der Regierung zu beteiligen: „Es ist mein besonderes Anliegen, dass die Regierung mit Ihrer Unterstützung handlungsfähig bleibt.“
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In die Sitzung des Runden Tisches am 15. Januar 1990 platzt die Nachricht, dass Demonstranten versuchen, die Zentrale der Staatssicherheit in Ost-Berlin zu stürmen. Hans Modrow (Mitte) begibt sich sofort zum Ort des Geschehens und versucht, beschwichtigend einzugreifen. Die Zentrale wird trotzdem besetzt, die letzte Machtbastion der SED fällt.
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Am 7. Dezember 1989 einigen sich die Teilnehmer auf dieses Selbstverständnis: Der Zentrale Runde Tisch soll keine Regierungsfunktionen ausüben, sondern „Bestandteil der öffentlichen Kontrolle“ sein. Im Laufe seiner Tätigkeit nimmt er jedoch faktisch am Regieren teil, indem er beispielsweise Gesetzesvorlagen erarbeitet.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die oppositionellen Gruppen streben seit Wochen einen Runden Tisch nach polnischem Vorbild an. Eine Kontaktgruppe aus Vertretern der einzelnen Bewegungen und Parteien veröffentlicht dieses Ansinnen mit einer gemeinsamen Erklärung am 10. November 1989. Bald darauf beginnen die konkreten Vorbereitungen.
Quelle: Privatarchiv Martin Gutzeit
Noch verfügt die SED über ihren riesigen Machtapparat, ungeheure finanzielle sowie technische Mittel, und sie hat die Mehrheit im Ministerrat. Mit der Gründung zweier neuer Geheimdienste versucht der Ministerrat unter Modrow, die Strukturen der alten Geheimpolizei zu retten.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nach schwierigen Verhandlungen werden am 5. Februar 1990 acht Vertreter der Opposition als Minister in die „Regierung der Nationalen Verantwortung“ berufen. Sie wagen diesen Schritt, um den Zusammenbruch des Landes abzuwenden.
Quelle: Robert-Havemann-Geselslchaft
Der Runde Tisch als übergreifende Instanz der Konfliktlösung dient auch zur Bewältigung bestimmter thematischer Probleme. Es entstehen beispielsweise ein Militärpolitischer und ein Frauenpolitischer Runder Tisch, ein Runder Tisch des Bauministers und ein Grüner Runder Tisch.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Der Runde Tisch als übergreifende Instanz der Konfliktlösung dient auch zur Bewältigung bestimmter thematischer Probleme. Es entstehen beispielsweise ein Militärpolitischer und ein Frauenpolitischer Runder Tisch, ein Runder Tisch des Bauministers und ein Grüner Runder Tisch.
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