Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
Quelle: picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Revolten entlang der Strecke

Mehrere Züge mit ostdeutschen Flüchtlingen aus Prag müssen auf ihrem Weg in die Bundesrepublik über DDR-Gebiet fahren. Das löst Unruhen entlang der Bahnstrecke aus. Tausende Ausreisewillige sehen die Möglichkeit zur Flucht zum Greifen nahe. Sie versuchen, in die Züge zu gelangen. Die SED reagiert mit Gewalt.

Flüchtlingszüge im Herbst 1989: Die DDR-Flüchtlinge in der Prager Botschaft fahren mit Sonderzügen nach Westdeutschland über DDR-Gebiet.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Graphik eckedesign
Ihre Forderung nach Freiheit formulieren Ostdeutsche im Herbst 1989 immer häufiger an öffentlich Orten. An einer Bahnstrecke im Bezirk Dresden dokumentiert die Stasi diese Losungen: "Freiheit für alle“ und „DDR 5 nach 12“.
Quelle: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Die ersten Züge mit DDR-Flüchtlingen aus Prag überqueren am Morgen des 1. Oktober 1989 die innerdeutsche Grenze.
Quelle: AP Photo/Helmut Lohmann
Die Sicherheitsorgane versperren die Eingänge zum Dresdner Hauptbahnhof.
Quelle: Rigo Pohl
Proteste vor dem Dresdner Hauptbahnhof.
Quelle: Rigo Pohl
Wut der Bevölkerung: Umgestürztes Polizeiauto am 4. Oktober 1989 vor dem Hauptbahnhof in Dresden.
Quelle: David Adam
Einsatz von Wasserwerfern auf dem Dresdner Bahnhofsvorplatz am 4. Oktober 1989.
Quelle: David Adam
Nach den Protesten am Hauptbahnhof verfasst das Ensemble des Staatsschauspiels Dresden die Resolution „Wir treten aus unseren Rollen heraus“. Sie wird am 6. Oktober das erste Mal öffentlich nach der Vorstellung verlesen. Das begeisterte Publikum applaudiert daraufhin minutenlang. Das Vortragen solcher Texte wird im Herbst 1989 zu einem ritualisierten Akt im Theater.
Quelle: HL Böhme
In Freiberg geht die Polizei mit Hundestaffeln gegen Demonstranten vor, die sich am 4. Oktober 1989 am Bahnhof eingefunden haben. In der Nacht wird der Bahnhofsvorplatz brutal geräumt und Demonstranten festgenommen.
Quelle: Jochen Kohlschmidt
Am Hauptbahnhof in Karl-Marx-Stadt kommt es am 4. Oktober 1989 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ausreisewillige besetzen die Gleise, sogar Mütter mit Kindern sind unter ihnen.
Quelle: Volkmar Zschocke
Auf dem Bahnhof in Reichenbach halten die Züge eine Stunde wegen des Lokwechsels. Mit Schlagstöcken und Hunden geht die Polizei gegen Neugierige und Reisende vor.
Quelle: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Plauener warten am Oberen Bahnhof auf die Sonderzüge mit den Botschaftsflüchtlingen aus Prag.
Quelle: Aus der Sammlung des Vogtlandmuseum Plauen, Autor: unbekannt

Die SED-Führung will die ostdeutschen Flüchtlinge in Prag offiziell ausweisen und besteht bei deren Ausreise auf einer Route durch die DDR. Anfang Oktober 1989 rollen Sonderzüge in die Bundesrepublik. Zeitgleich schließt die DDR die Grenze zur Tschechoslowakei. Damit ist der Weg in den Westen über Prag versperrt.

Ausreisewillige besetzen deshalb Gleise und Bahnhöfe. Die Situation spitzt sich zu. Der gewaltbereite Protest führt am 3. und 4. Oktober zum Ausnahmezustand auf dem Dresdner Hauptbahnhof. Es gibt Polizeieinsätze mit zahlreichen Verhaftungen und Verletzten, auch an den kommenden Tagen.

Eingekesselt von staatlichen Sicherheitskräften, entsenden die Demonstranten am 8. Oktober spontan einige Vertreter aus ihren Reihen, um die aufgeheizte Situation zu beruhigen. Diese Gruppe der 20 erreicht schließlich, dass der SED-Oberbürgermeister sich zum Dialog bereit erklärt.

Während eines kurzen Betriebshaltes springen drei Personen auf den Sonderzug aus Prag auf. Ihnen gelingt damit die Flucht in die Bundesrepublik. Bericht der DDR-Transportpolizei vom 1. Oktober 1989.
Quelle: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Am 3. Oktober 1989 schließt die DDR-Führung die Grenze zur Tschechoslowakei. Der Weg nach Prag ist damit abgeschnitten. Meldung in der SED-Zeitung Neues Deutschland vom 4. Oktober 1989.
Quelle: Neues Deutschland, 04.10.1989
Brief eines Bereitschaftspolizisten an seinen Seelsorger über seine Einsätze gegen Demonstranten Anfang Oktober 1989 in Dresden. In der DDR werden Wehrpflichtige zur Bereitschaftspolizei eingezogen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nach den Protesten am Hauptbahnhof verfasst das Ensemble des Staatsschauspiels Dresden die Resolution „Wir treten aus unseren Rollen heraus“. Sie wird am 6. Oktober das erste Mal öffentlich nach der Vorstellung verlesen. Das begeisterte Publikum applaudiert daraufhin minutenlang. Das Vortragen solcher Texte wird im Herbst 1989 zu einem ritualisierten Akt im Theater.
Quelle: Staatsschauspiel Dresden

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4.Oktober 1989 in Dresden im Hauptbahnhof

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4.Oktober 1989 in Dresden vor dem Hauptbahnhof

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