Protest gegen die Einsetzung von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzendem am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin vor dem Staatsratsgebäude.
Quelle: picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm

Der 9. Oktober 1989 in Leipzig

Schon am Morgen des 9. Oktober 1989 ist die bevorstehende Montagsdemonstration Stadtgespräch. An ihren Arbeitsstätten und in den Schulen werden die Leipziger davor gewarnt, am Abend in die Innenstadt zu gehen. Es gibt Gerüchte, dass Panzer bereitstünden und ein Schießbefehl ausgegeben worden sei. Die Angst in der Bevölkerung ist groß.

Noch größer ist jedoch ihre Wut auf die SED-Führung. Tausende empfinden es als Gebot der Stunde, endlich zu protestieren. Sie nehmen an den Friedensgebeten in der Nikolaikirche teil und sammeln sich danach auf dem Karl-Marx-Platz. Am Abend drängen immer mehr Menschen auf den Platz und setzen sich dann in Richtung Innenstadtring in Bewegung. Mit dem Ruf "Keine Gewalt!" ziehen etwa siebzigtausend Menschen friedlich durch die Stadt, vorbei am Bahnhof und an der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit.

Angesichts der großen Zahl der Demonstranten und eines fehlenden Einsatzbefehls aus Berlin ziehen sich die achttausend Sicherheitskräfte schließlich zurück. Die Nachricht vom friedlichen Verlauf der Demonstration verbreitet sich über das Westfernsehen rasch im ganzen Land und wird als Sieg über die SED-Herrschaft empfunden.

Angespannte Atmosphäre an der Leipziger Nikolaikirche am 9. Oktober 1989.
Trotz großer Furcht vor einem brutalen Einsatz der bewaffneten Sicherheitskräfte kommen auch an diesem Abend in den vier Kirchen der Leipziger Innenstadt Menschen zu Friedensgebeten zusammen.
Quelle: picture-alliance/dpa/Lehtikuva Oy
Leipziger Innenstadtring am 9. Oktober 1989.
Quelle: Museum in der "Runden Ecke", Leipzig/Uwe Pullwitt
Etwa siebzigtausend Menschen laufen am Abend des 9. Oktober 1989 über den Leipziger Innenstadtring. Westkorrespondenten ist der Aufenthalt in der Stadt verboten. Die Ostberliner Bürgerrechtler Siegbert Schefke und Aram Radomski filmen und fotografieren den Demonstrationszug vom Dach der Reformierten Kirche.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Aram Radomski
Vor der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 ist die Lage in Leipzig gespannt. Es wird das Schlimmste befürchtet. Westkorrespondenten ist der Aufenthalt in der Stadt verboten. Mit einer Videokamera baugleichen Typs filmen Aram Radomski und Siegbert Schefke den Tag der Entscheidung in Leipzig.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert
Vor der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 ist die Lage in Leipzig gespannt. Es wird das Schlimmste befürchtet. Westkorrespondenten ist der Aufenthalt in der Stadt verboten. Mit einer Videokamera filmen Siegbert Schefke und Aram Radomski (Selbstporträt) den Demonstrationszug.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Aram Radomski

Mit einem bestellten Leserbrief in der Leipziger Volkszeitung vom 6. Oktober 1989 schürt ein Kommandeur der paramilitärischen Kampfgruppen Angst in der Stadt und lässt keinen Zweifel an der Gewaltbereitschaft der Einsatzkräfte.

Auszug:

Werktätige des Bezirkes fordern:
Staatsfeindlichkeit nicht länger dulden

"Die Angehörigen der Kampfgruppenhundertschaft „Hans Geiffert“ verurteilen, was gewissenlose Elemente seit einiger Zeit in der Stadt Leipzig veranstalten. [...] Wir sind dagegen, daß diese kirchliche Veranstaltung mißbraucht wird, um staatsfeindliche Provokationen gegen die DDR durchzuführen. [...] Wir sind bereit und Willens, daß von uns mit unserer Hände Arbeit Geschaffene wirksam zu schützen. [...] Wenn es sein muß, mit der Waffe in der Hand!

„Mit der Waffe in der Hand“: Mit einem bestellten Leserbrief in der Leipziger Volkszeitung vom 6. Oktober 1989 schürt ein Kommandeur der paramilitärischen Kampfgruppen Angst in der Stadt und lässt keinen Zweifel an der Bereitschaft der Einsatzkräfte, Gewalt einzusetzen.
Quelle: Leipziger Volkszeitung, 06.10.1989
In ihrem Appell „Wir sind ein Volk“ fordern Leipziger Oppositionsgruppen am 9. Oktober 1989 die Einsatz- und Sicherheitskräfte zur Gewaltlosigkeit auf. Erst nach diesem Tag geht die Staatsmacht nicht mehr gewaltsam gegen Demonstranten vor.
Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig

Video

Siegbert Schefke - Protestdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig

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